Trumps Lust auf Grönland sollte vor allem dort für einen lauten Aufschrei sorgen – so könnte man meinen. Doch es gibt durchaus Grönländer, die den Ideen des US-Präsidenten etwas abgewinnen können.
US-Präsident Donald Trump hält an seiner Forderung fest: Künftig soll Grönland, die größte Insel der Welt, von Washington aus kontrolliert werden. Nach tagelangen Debatten hat US-Außenminister Marco Rubio nun immerhin direkte Gespräche mit dem Dänemark für die kommende Woche angekündigt, denn Grönland ist autonomer Bestandteil des Königreichs.
Auch Grönlands Außenministerin Vivien Motzfeldt sagte grönländischen Medienberichten zufolge: “Selbstverständlich werde ich teilnehmen, da es unser Land ist, das gemeinsam mit Dänemark ein Treffen gefordert hat. Und weil es uns betrifft, müssen wir dabei sein.” Mit dem Naalakkersuisut hat Grönland eine eigene Regierung sowie ein eigenes Parlament.
In Europa bleibt die Empörung groß, denn es geht um viel mehr als die kaum besiedelte Insel im Nordatlantik. Dänemark und damit auch Grönland gehören wie die USA der Nato an. Der frühere dänische Grönland-Minister Tom Hoyem nannte am Donnerstagmorgen im Deutschlandfunk die jetzige Entwicklung gefährlich für die Nato. Das Bündnis befinde sich in einer echten Krise. Gleichwohl sagte er, Dänemark sei offen für eine weitere militärische und wirtschaftliche Kooperationen mit den USA in Grönland.
Dänemarks Staatsministerin Mette Frederiksen hatte schon zuvor vor den Ankündigungen gewarnt: “Wenn die USA einen Nato-Verbündeten angreifen, ist alles aus.” Unterstützung erhielt sie in den vergangenen Tagen von ihren Amtskollegen des Nordischen Rates wie zahlreichen Staats- und Regierungschefs Europas. Auch ein Foto mit Kanadas Premierminister Marc Carney postete Frederiksen auf X. “Ich habe meine Anerkennung für Kanadas starke Unterstützung des Königreichs Dänemark in der aktuellen Situation zum Ausdruck gebracht”, hieß es dort.
Bisher wenig Beachtung erhalten allerdings jene, die von den Trumpschen Forderung direkt betroffen sind: die rund 56.000 Menschen, die auf der riesigen und über 2,1 Millionen Quadratkilometer großen Insel leben. Seit Tagen verfolgen die Journalisten von “Sermitsiaq”, auflagenstärkste Zeitung der Insel, die Entwicklung per Liveblog und fassen vor allem Äußerungen aus den USA zusammen.
Die Meinungen über das Verhalten der USA haben eine große Spannbreite: So zitiert die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress Tomaz Majcen, den einzigen katholischen Pfarrer der Insel, der in der Hauptstadt Nuuk arbeitet. “Die Menschen sprechen darüber in den Geschäften, am Arbeitsplatz und sogar nach der Messe.” Die Stimmung sei angespannt, und die Pläne würden mit Sorge beobachtet.
Doch es gibt auch andere Stimmen, die – etwas überspitzt – folgende Meinung vertreten: Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Das befeuert nun eine neue Debatte um Unabhängigkeit. Prominenter Vertreter ist Kuno Fencker, der in Grönlands Parlament Inatsisartut sitzt. Vor fast genau einem Jahr postete er auf X Fotos von seiner Teilnahme an Trumps Amtseinführung, die er ein “unglaubliches Erlebnis” nannte. Die Amerikaner seien gastfreundlich und herzlich.
Nun bezeichnete er Trumps Äußerung nicht als Annexionserklärung. Sie sei vielmehr eine sicherheitspolitische Bewertung. Eine “de facto Annexion” habe es vielmehr 1953 gegeben. Denn damals, so schreibt Fencker auf Facebook, habe es kein Referendum in Grönland zur Integration in Dänemark gegeben, wohl aber eines in Dänemark.
Unterstützung erhält Fencker von anderen Politikern, die seit Jahren immer wieder die Unabhängigkeit von Dänemark fordern. Die Beziehung gilt bis heute als schwierig. So ließ Dänemark etwa regelmäßig Menschen umsiedeln. Auch sollten Grönländer “dänisiert” werden.
Doch bringt eine Annäherung an die USA den Grönländern die gewünschte Unabhängigkeit? Aktivist Orla Joelsen, der sich regelmäßig in Sozialen Medien zu dieser Frage äußert, ist skeptisch: Er wolle nicht Teil eines Modells sein, bei dem andere über die Zukunft entscheiden. Das führe nicht zur Unabhängigkeit für “Kalaallit Nunaat”, wie die Insel auf Grönländisch heißt.