Die Pfälzer Protestantinnen und Protestanten wollen trotz manchen Bauchgrimmens mit tief greifenden Strukturreformen die Zukunft ihrer Landeskirche sichern. Die Landessynode will auf ihrer Tagung von Donnerstag, 20., bis Samstag, 22. November, in Speyer dazu über Gesetzesentwürfe des Landeskirchenrats und eine dafür nötige Änderung der Kirchenverfassung beraten. Aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und Finanzen will die Evangelische Kirche der Pfalz in den nächsten zehn Jahren 60 Millionen Euro einsparen - etwa 45 Prozent ihres Budgets. Auf ihrer Tagung im Mai hatte die Synode ein umfassendes Reformpaket auf ihrem Ende 2023 gestarteten „Transformationsprozess“ auf den Weg gebracht.
Die zentrale Frage, die viele in der Pfälzer Kirche seit Monaten umtreibt, ist, wie angesichts der Reformpläne kirchliches Leben weiter möglich sein soll. Diskussionen in den Kirchengemeinden sind vor allem darüber entbrannt, die 15 Kirchenbezirke in der rund 430.000 Mitglieder zählenden Landeskirche auf nur noch vier zu reduzieren. Die 374 Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz sollen ihren Status als Körperschaften des öffentlichen Rechts und damit ihre rechtliche Selbstständigkeit verlieren.
Ihre Gebäude und Vermögen sollen an die Kirchenbezirke übergehen, von denen sie für ihre Arbeit ein Budget erhalten. Als Körperschaften kirchlichen Rechts sollen sie allerdings weiter in Kooperation mit neuen multiprofessionellen „Regio-Teams“ das Gemeindeleben gestalten können.
Die meisten Kirchenmitglieder sähen trotz aller Ängste und Bedenken ein, dass Strukturreformen unumgänglich seien, melden Dekane aus den Kirchenbezirken auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Gegen Pläne für eine Zentralisierung der Kirchenverwaltung - und vor allem gegen die Änderung des Körperschaftsstatus - regt sich aber vereinzelt Widerstand: Eine neue Initiative „Pro Presbyterium“ um Pfarrer Andreas Funke aus dem Dekanat Bad Dürkheim-Grünstadt mit rund 60 Unterstützerinnen und Unterstützern macht mobil gegen eine „Entmachtung“ der Kirchengemeinden und eine „Entdemokratisierung“ der Kirche. Die Ortsgemeinden müssten besser in die Reformentscheidungen eingebunden werden, fordert der frühere Landessynodale in „Zwölf Streitthesen“.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und ihr Kollegium im Speyerer Landeskirchenrat betonen, dass trotz aller Maßnahmen die Kirchengemeinden die „Basis“ der synodal-presbyterialen Ordnung der Landeskirche blieben. Diese würden von Verwaltungsaufgaben entlastet. Das Prinzip der demokratischen Kirchenleitung „von unten nach oben“ werde nicht ausgehebelt, betont die Kirchenpräsidentin. Die Kirche solle verschlankt, aber nicht geschwächt werden. Auf der Synodaltagung Ende November will ein Projektbüro des Landeskirchenrats einen Prozessleitfaden unter dem Motto „kirche.mutig.machen“ präsentieren: Ziel ist es, die Reformkonzepte in konkretes Handeln umzusetzen.
Der Bad Bergzabener Dekan Dietmar Zoller mahnt, den nötigen Veränderungen ausreichend Zeit zu geben. „Da derzeit viele Details unklar sind und auch Halbwahrheiten weitergereicht werden, sind einige Presbyterinnen und Presbyer verunsichert“, berichtet der Neustadter Dekan Andreas Rummel. Im Dekanat Ludwigshafen gebe es hingegen eine klare Forderung, sagt Pfarrer Andreas Große aus dem Stadtteil Oggersheim: „Dass sich die gallischen Dörfer in unserer Landeskirche mit ihrem Blockadeverhalten nicht durchsetzen dürfen.“