Treppenlift kann zur Kostenfalle werden – Tipps für Verbraucher

Treppenlifte versprechen mehr Selbstbestimmung und Mobilität. Hinter den Angeboten verstecken sich aber oft erhebliche Kosten. Nicht alle Hersteller sind seriös.

Für gehbehinderte Menschen werden Treppen im eigenen Haushalt zur unüberwindbaren Hürde. Die Wohnungstür oder einzelne Zimmer sind manchmal nur über mehrere Stufen zugänglich. Besonders Senioren werden so in ihrem Alltag oft erheblich eingeschränkt. Hersteller von Treppenliften werben für “mehr Mobilität”. Mit Treppenlift können Betroffene oft zu Hause wohnen bleiben und müssen nicht in ein Heim umziehen.

Tatsächlich ist die Installation oft unkompliziert: Der Aufbau dauert normalerweise einen Tag und funktioniert laut unabhängigen Beratungsstellen auch bei engen Wendeltreppen. Treppenlifte sind dabei nicht nur für Eigentumswohnungen oder -häuser möglich. “Ein Vermieter muss einer Wohnraumanpassung bei Bedarf sogar per Gesetz zustimmen. Mit wenigen Ausnahmen: laut Bürgerlichem Gesetzbuch (Paragraf 554a) dann, wenn die Veränderungen dem Vermieter “nicht zugemutet” werden können.

Allerdings lauern beim Einbau gleich mehrere Kostenfallen: Die Preise für Treppenlifte gehen stark auseinander. Manche Hersteller werben mit Modellen ab 2.000 Euro. Bei anderen schießen die Kosten in den mittleren fünfstelligen Bereich.

Viele Pflegebedürftige sind nach der Installation außerdem unzufrieden: Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale klagten 93 von 104 Personen nach dem Einbau über Mängel wie Ruckeln oder defekte Bedienelemente. Oft kommen nach der Installation deshalb noch erhebliche Reparatur- und Wartungskosten auf den Verbraucher zu.

Unabhängige Informationen bieten hier Wohnberatungsstellen, zum Beispiel der Verein “Barrierefrei Leben”. Pro Stockwerk, so heißt es hier, sollte man für die Installation eines Sitzliftes mit ungefähr 10.000 Euro rechnen. Dazu kommen jährliche Wartungskosten von 200 bis 300 Euro.

Die Investition lohnt sich laut “Barrierefrei Leben” zwar in den meisten Fällen. “Unserer Erfahrung nach nutzen Betroffene Sitzlifte in der Regel 15 bis 20 Jahre”, sagt Antje Voss, Mitarbeiterin und Beraterin für Wohnraumanpassung. “Menschen können damit länger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.” Allerdings können Pflegebedürftige, wie beispielsweise Senioren im Rentenalter, die Finanzierung oft nur schwer stemmen.

In einigen Fällen unterstützen die gesetzlichen Pflegekassen: Für Treppenlifte sind Zuschüsse bis zu 4.000 Euro möglich. Vorbedingung ist nach Angaben der AOK, dass die häusliche Pflege “durch die Maßnahme ermöglicht oder erheblich erleichtert” oder eine “möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt” werde. Der Medizinische Dienst muss außerdem die Pflegebedürftigkeit der Betroffenen feststellen. Nutzen mehrere Pflegebedürftige den Lift, kann jede Person jeweils bis zu 4.000 Euro erhalten. Für Wartung und Reparaturen am Treppenlift wird außerdem maximal der noch ausstehende Restbetrag der 4.000 Euro an Zuschüssen gewährt. Zusätzliche Kosten müssen Betroffene selbst zahlen.

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt Fördermittel. Für Einzelmaßnahmen zur Barrierereduzierung, wie zum Beispiel Treppenlifte, sind hier Zuschüsse von bis zu zehn Prozent möglich, maximal 2.500 Euro. Es ist allerdings nicht möglich, die Förderung mit Zuschüssen der Pflegekasse zu kombinieren. In Härtefällen, wenn kein anderer Kostenträger zuständig ist und die nötigen Eigenmittel fehlen, springt das Sozialamt ein.

Der Verein “Barrierefrei leben” rät dazu, die Finanzierungszusage der Pflegekasse noch vor der Installation eines Treppenlifts einzuholen. Die Chancen auf Fördermittel für Treppenlifte stehen laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale gut. Demnach bekamen von 22 Nennungen 102 einen Zuschuss. In 84 Fällen kamen die Fördermittel von der Pflegekasse, in zwölf Fällen von der KfW. In neun Fällen handelte es sich um spezielle Förderprogramme der Länder.

Insgesamt bleiben Pflegebedürftige aber oft auf einem Großteil der Kosten sitzen. Dazu schwanken die Preise der Anbieter deutlich. Je nach Treppenliftmodell und Etagenanzahl veranschlagen Hersteller teilweise bis zu 50.000 Euro – plus Montage. Unter den Anbietern gibt es wenig Konkurrenz. Teilweise treten sie mit mehreren Marken an, die als eigenständige Firmen auftreten.

Laut AOK sollten Interessenten auf TÜV-Zertifikate achten. Der Beratungsverein “Barrierefrei Leben” empfiehlt außerdem, einen Pauschalpreis zu vereinbaren. Seriöse Fachbetriebe besichtigen die Räumlichkeiten vor einer Installationen gratis und vor Ort, erstellen eine virtuelle Simulation und machen einen Kostenvoranschlag. “Ein guter Fachbetrieb verfügt außerdem über einen 24-Stunden-Service”, sagt Voss. “Bei technischen Problemen kann er so innerhalb kürzester Zeit helfen – das ist gerade bei Pflegefällen nötig.”

Technisch gebe es zwischen den Produkten wenige Unterschiede, sagt Voss. Entscheidend sei eine leichte Bedienbarkeit. Mit einem Joystick lasse sich ein Treppenlift beispielsweise intuitiv mit der Hand steuern.

Wer bei der Installation Geld einsparen möchte, ohne auf Funktionalitäten zu verzichten, kann Treppenlifte zum Teil gebraucht kaufen. “Grundsätzlich ist das eine gute Idee”, sagt Voss. “Die Qualität ist vergleichbar mit neuen Treppenliften.” Allerdings sind meist nur Einzelteile eines benutzten Treppenlifts käuflich erwerbbar: vor allem Sitzeinheiten und gerade Schienen. Gekrümmte Schienen wie etwa von Wendeltreppen lassen sich normalerweise nicht wiederverwenden. Die Verbraucherzentrale warnt deshalb vor immer noch relativ hohen Anschaffungskosten. “Immerhin aber”, sagt Voss. “Man kann so zumindest ein paar hundert Euro einsparen.”