Rund 220.000 Rothirsche leben in Deutschland. Das neue Tier des Jahres kommt hierzulande also recht zahlreich vor. Dennoch steht es womöglich am Anfang eines Aussterbeprozesses.
Die Deutsche Wildtier-Stiftung hat den Rothirsch zum Tier des Jahres 2026 ausgerufen. Er folgt auf den Alpenschneehasen, wie die Stiftung am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Über den Titel konnten demnach Naturfreunde abstimmen. Sie hätten den Rothirsch (Cervus elaphus) auf Platz eins vor Hermelin und Goldschakal gewählt.
Mit der Ernennung wolle man auf eine Art aufmerksam machen, die in Deutschland mit rund 220.000 Tieren zwar zahlreich vorkomme, aber vor großen Herausforderungen stehe, sagte Andreas Kinser, Leiter des Bereichs Natur- und Artenschutz bei der Stiftung. Rothirsche seien eigentlich Tiere halboffener Landschaften. "Doch weil sie dort von Menschen zunehmend bedrängt und bejagt werden, ziehen sie sich meist in den Wald zurück." Dort fräßen sie täglich bis zu 20 Kilogramm Pflanzen, was Konflikte mit Forstwirten verursachen könne.
Für die Natur habe das Verhalten positive Effekte, ergänzte Kinser. "Rothirsche schaffen kleine Lichtungen, auf denen sonnenliebende Kräuter und Gräser wachsen können und Schmetterlinge, Wildbienen und Waldameisen ideale Lebensbedingungen finden." Außerdem verbreiteten sie Pflanzensamen: "Vor allem junge Hirsche unternehmen weite Wanderungen, um neue Lebensräume zu besiedeln. Dabei tragen sie Samen verschiedenster Pflanzen über viele Kilometer im Fell mit sich oder scheiden sie mit ihrem Kot aus."
Diese Wanderungen sorgen auch für genetischen Austausch, wie es hieß. Doch sie endeten heute oft an Autobahnen, Bahntrassen und Kanälen - oder behördlich vorgeschriebenen Grenzen der Artverbreitung und damit dem Abschuss. Dadurch verliere der Hirsch genetische Vielfalt. "Populationsgenetiker sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses." Kinser forderte mehr Grünbrücken und das Verbot, wandernde Tiere zu jagen. Zudem müssten sich neue Lebensräume zwischen weit auseinanderliegenden Vorkommen etablieren dürfen.
Der Rothirsch ist in Deutschland das größte regelmäßig an Land vorkommende Wildtier. Er wird bis zu 250 Kilogramm schwer, an die zweieinhalb Meter lang und hat eine Schulterhöhe von etwa anderthalb Metern. Das Tier kommt schon in der Bibel vor: "Wegen ihrer Anmut und Schönheit, Trittsicherheit und Schnelligkeit wird die Hirschkuh häufig in Vergleichen erwähnt", heißt es im Wissenschaftlichen Bibellexikon ("WiBiLex").