Der Pastor für persischsprachige Seelsorge in Westfalen, Mehrdad Sepehri Fard, mahnt mehr Unterstützung für die Menschen im Iran an. „Schreibt Briefe an Politiker, sagt ihnen: Tut etwas, nicht nur Worte!“, sagte Fard in Paderborn der evangelischen Wochenzeitung „Unserer Kirche“ (Erscheinungstag 25. Januar). „Die Islamischen Revolutionswächter müssen als Terroristen eingestuft werden – in Deutschland, in Europa, weltweit“, forderte der Theologe, der im Kirchenkreis Paderborn die „Fachstelle Seelsorge für persischsprachige Christen“ leitet. Außerdem könnten iranische Botschafter ausgewiesen und diplomatische Kontakte beendet werden. „Das hätte Konsequenzen.“
Er wünsche sich, dass die Menschen hierzulande zeigten, dass sie auf der Seite der unterdrückten Menschen im Iran stehen, sagte der in Teheran geborene Fard weiter. Viele seien wegen des Leids der palästinensischen Menschen im Gaza-Streifen auf die Straße gegangen. „Warum nicht für uns?“, fragte der Theologe. „Menschenrechte sind Menschenrechte, egal wo und für wen.“
Iraner in Deutschland leiden nach Worten des evangelischen Theologen unter der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Verwandten. Für in Deutschland lebende Angehörige sei die Situation „herzzerreißend“, sagte Fard. „Viele fühlen sich ohnmächtig. Sie sind hier in Sicherheit und wissen gleichzeitig, was ihren Familien passiert“, berichtet der in Teheran geborene Theologe, der 1997 mit seiner Frau nach Deutschland kam.
Schwierig ist es nach Worten des Theologen, zuverlässige Angaben über die Opfer zu erhalten. „Manchmal heißt es: 12.000 Tote, dann über 20.000, manche reden von 2.000. Die Menschen, mit denen wir sprechen, sagen mit weinender Stimme: ‘Soldaten kommen mit Waffen, sie schießen auf uns’“, berichtet der Theologe, der Ansprechpartner und Seelsorger für persischsprachige Christinnen und Christen, vor allem aus dem Iran, aus Afghanistan und Tadschikistan ist.
Es gebe Berichte, dass Familien 1.000 Euro zahlen müssen, um den Leichnam zurückzubekommen – als „Ersatz für die Kugeln“, sagte Fard. Sonst würden die Toten in Massengräbern verscharrt. Der Kontakt zu Familien in den Iran sei äußerst schwierig. Telefone funktionieren nicht mehr. Zum Teil gebe es noch Satellitenverbindungen über Starlink. Viele Informationen kämen jedoch nur bruchstückhaft an. Aus großen Städten gebe es teilweise noch Nachrichten. „Aus anderen Regionen hören wir gar nichts mehr.“
Die Menschen im Iran „wollen sich nicht mehr unterdrücken lassen, sie wollen ihre Revolution zu Ende bringen“, sagte der Theologe. Der Unterschied zu früheren Protestwellen sei, dass viele nicht mehr an Reformen glaubten. „Das politische Ziel ist heute klar: das Ende der Islamischen Republik“. Den Sohn des gestürzten Ex-Schahs im Iran, Reza Pahlavi, der eine Rückkehr in den Iran angekündigt hat, würden viele im Iran kennen, sagte Fard. „Wir haben keine Alternative, es gibt keine andere Führungsfigur, auf die wir uns einigen könnten.“