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Synodalpräsidentin Preidel: Reformprozess ist unerlässlich

Angesichts des anhaltenden Mitgliederschwundes und zurückgehender Kirchensteuereinnahmen ist laut Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel ein landeskirchlicher Reformprozess unerlässlich. „Bis 2035 wird die bayerische Landeskirche erheblich weniger Mitglieder haben. Wir rechnen mit einem Rückgang zwischen 30 und 50 Prozent“, sagte Preidel im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Entsprechend werde bei den Kirchensteuereinnahmen bis 2035 eine deutliche Reduzierung erwartet. Am 23. November kommt die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) zu ihrer letzten Tagung der sechsjährigen Wahlperiode zusammen. Im Mittelpunkt steht die Verabschiedung des landeskirchlichen Haushalts 2026. Am 7. Dezember wird das Kirchenparlament neu gewählt.

Preidel ist seit 2014 Präsidentin der Landessynode, sie hat federführend den landeskirchlichen Reformprozess „Profil und Konzentration“ (PuK) mit auf den Weg gebracht. „Wir konnten unser Profil schärfen und Schwerpunkte setzen.“ Doppelstrukturen seien abgebaut worden. Die jetzige Entwicklung zeige: „Der PuK-Prozess ist nicht zu Ende, er geht immer weiter“, sagte Preidel. „Jetzt müssen wir nochmal die PuK-Brille aufsetzen und genau schauen, wo wir nachjustieren müssen.“ Bayern habe mit PuK eine Vorreiter-Rolle übernommen: Andere Landeskirchen und katholische Bistümer hätten interessiert auf den bayerischen Reformprozess geschaut und eigene Konzepte entwickelt, sagte Preidel. Sie wünsche sich, dass die Kirche auch in Zukunft eine aktive, prägende Rolle in der Gesellschaft übernehme.

Als wegweisend hat Preidel in der vergangenen Wahlperiode die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bereich der Landeskirche und der Diakonie erlebt. „Das war unverzichtbar und dringend nötig.“ 2020 habe die Synode ein Präventionsgesetz beschlossen. Darauf aufbauend wurden unter anderem ein Rahmenschutzkonzept, eine Risikoanalyse in Kirchengemeinden, der Ausbau der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt und die Bildung einer unabhängigen Anerkennungskommission geschaffen. Das mache das Leid der Betroffenen nicht ungeschehen, sagte Preidel. „Aber: Wir schauen hin, wir hören zu, und wir handeln. Das sind wir den Betroffenen schuldig. Die Aufarbeitung bleibt eine Daueraufgabe.“ (3570/16.11.2025)