Sie erfahren Diskriminierung, aber das bleibt unsichtbar: So beschreiben Münchner Kurdinnen und Kurden ihre Lebensrealität. Belegt hat das eine neue Studie „Münchner Kurd_innen - (Un-)sichtbare Realitäten zwischen pluralen Zugehörigkeiten und multidimensionaler Diskriminierung“ der Evangelischen Hochschule (EvH) Bochum. Das Forscherteam mache darin sichtbar, „wie tief rassistische Diskriminierung in den Alltag der rund 28 000 Kurdinnen und Kurden in München eingreift“, teilte die Hochschule am Donnerstag mit.
Zentrales Ergebnis sei die hohe Verbreitung von Diskriminierungserfahrungen. Ausgrenzung und Diffamierung seien „allgegenwärtig“: 86,7 Prozent hätten in den letzten zwölf Monaten von diskriminierenden Erfahrungen - im öffentlichen Raum, im Bildungssystem, am Arbeitsplatz oder im Kontakt mit Behörden - berichtet. „Die Erlebnisse reichen von herabwürdigenden Kommentaren über strukturelle Benachteiligungen bis hin zu körperlichen Angriffen“, sagte Professor Çinur Ghaderi von der Evangelischen Hochschule Bochum (EvH), die sich bereits in früheren Arbeiten mit antikurdischem Rassismus in Deutschland befasst hat.
Ferner zeige die Studie, dass Kurden häufig mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt sind und viele ihr „Kurdischsein“ als mehrfach belastend erleben, obwohl sie oft in Deutschland geboren seien und in München lebten und arbeiteten. Viele würden zugleich Rassismus und Diskriminierung durch Angehörige anderer Gruppen erleben, hieß es weiter.
Die Untersuchung wurde im Auftrag der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München erstellt. Dabei handelte es sich laut Mitteilung um eine standardisierte Befragung von über 200 Personen, die ergänzt wurde durch 23 leitfadengestützte Einzelinterviews sowie neun Fokusgruppengespräche. (0371/05.02.2025)