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Studie: Fokus auf Retter von Juden in Erinnerungskultur

Oskar Schindlers Einsatz für Juden wurde durch den Film “Schindlers Liste” weltberühmt. Er ist einer der Gerechten unter den Völkern, die verstärkt ins Zentrum von Erinnerungsarbeit rücken. Wovor Forscher warnen.

Retter von Jüdinnen und Juden geraten laut einer Untersuchung der Universität Tel Aviv stärker in den Blick der Schoah-Erinnerungskultur. Es gebe immer mehr Museen und Ausstellungen, die sich mit den Geschichten der Gerechten unter den Völkern beschäftigten, heißt es in dem am Montag in Tel Aviv veröffentlichten Bericht “For a Righteous Cause” (Für eine gerechte Sache) des Zentrums für das Studium des zeitgenössischen europäischen Judentums. Als Beispiele nennen die Autoren Gedenkstätten in Japan, Lettland und Tschechien.

In Japan beschäftigen sich laut Bericht die beiden wichtigsten Holocaust-Gedenkstätten mit Chiune Sugihara (1900-1986), einem Diplomaten, der Hunderte Jüdinnen und Juden rettete. In Lettland stehe der Gerechte unter den Völkern Janis Lipke im Mittelpunkt des wichtigsten Museums.

Im Mai 2025 eröffnete Tschechien das Museum der Überlebenden auf den Ruinen der Fabrik von Oskar Schindler (1908-1974), der für die Rettung von rund 1.200 Juden vor der Schoah bekannt ist. Auch in Gedenkstätten in den USA, in Bulgarien, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten würden Menschen beleuchtet, die sich für Juden einsetzten.

Der Leiter des Zentrums, Uriya Shavit, begrüßt die Aufmerksamkeit, die den Gerechten unter den Völkern zuteil werde – “als Lehre in Menschlichkeit, Humanismus und in der Fähigkeit des Einzelnen, sich gegen Tyrannei aufzulehnen und Gutes zu tun”. Es sei jedoch wichtig, dass die Geschichte dieser Menschen im Kontext gelehrt werde und nicht die Vergangenheit verfälsche. “Retter von Juden waren während des Holocaust eine sehr seltene Ausnahme”, so Shavit.

Der Autor des Artikels, Carl Yonker, betonte, Schülerinnen und Schülern müsse zuerst die Geschichte von Antisemitismus, Nationalsozialismus und Holocaust nähergebracht werden, bevor sie Museen und Ausstellungen besuchten, die die Gerechten unter den Völkern in den Fokus rückten. “Für Lehrkräfte ist es bequemer, sich mit dem Guten statt mit dem Schlechten zu befassen. Aber es besteht die reale Sorge, dass die Konzentration auf die Retter die harte historische Realität verwischt”, warnt Yonker.

Auch die Beziehung von König Charles III. zum Judentum ist Thema eines Artikels. Der bereits zuvor veröffentlichte zentrale Artikel des Berichts zeigt auf, dass die muslimische Einwanderung kein Hauptfaktor für die antiisraelische Stimmung in Europa sei.