Angesichts des massiven Stromausfalls in Berlin hat der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, fehlende Investitionen des Bundes in den Bevölkerungsschutz beklagt. Die aktuelle Situation zeige nochmals, wie anfällig die kritische Infrastruktur sei und welche Bedeutung der Schutz der Bevölkerung habe, sagte Gröhe dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Mittwoch). Nötig sei eine „ausreichende Bevorratung an Materialien zur Bewältigung solcher Lagen“. Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) sagte unterdessen dem NDR, er sehe sein Land gut gerüstet.
Gröhe erklärte, ein Beispiel für Krisenabsicherung seien Mobile Betreuungsmodule, die bei einer länger andauernden Krisensituation zum Einsatz kommen könnten. „Durch sie könnten im Krisenfall jeweils 5.000 Personen wie in einer kleinen Stadt eigenständig versorgt werden – mit Wasser, Energie und Gesundheits- sowie sozialen Angeboten.“
Deutschlandweit würden mindestens zehn solcher Module gebraucht, so sei es auch politisch vorgesehen gewesen. Ausfinanziert seien bislang jedoch nur anderthalb Module. „Im aktuellen Bundeshaushalt sind keine Finanzmittel für weitere Module eingestellt“, kritisierte der frühere CDU-Bundesgesundheitsminister. Er betonte: „Der Zivil- und Katastrophenschutz ist ein zentraler Bestandteil für die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit und Teil der Daseinsvorsorge des Staates.“
Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer satte gegenüber dem NDR am Mittwoch, sein Bundesland sei gut gegen Stromausfälle gewappnet. Niedersachsen sei sehr robust aufgestellt, sagte Meyer auf NDR Info. So sei etwa der Anteil überirdischer Leitungen sehr gering und es gebe eine Vielzahl dezentraler Stromquellen.
„Gerade Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben viele Windenergieanlagen, Biosgasanlagen und Solaranlagen. Wenn man nicht ein großes Kraftwerk hat, wie es bei dem Gaskraftwerk in Berlin der Fall war, ist es natürlich deutlich resilienter, weil man nicht alle 40.000 Windräder auf einmal ausschalten kann“, betonte der Minister. Wichtig sei außerdem das Prinzip der doppelten Sicherung. Das bedeute, dass die Energieversorgung auch dann gewährleistet sei, wenn etwa eine Trafostation ausfalle.
Den Stromausfall in Teilen Berlins hatte am Samstag ein Brandanschlag auf das Stromnetz ausgelöst. Dazu hat sich die linksextremistische „Vulkangruppe“ bekannt. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.