Stiftung Buchenwald: Bezüge von NS-Zeit und Gegenwart diskutieren

Stiftungsdirektor: Kranzniederlegungen erreichen junge Menschen nicht

Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, hat sich dafür ausgesprochen, mit jungen Menschen Verbindungen zwischen der Zeit des Nationalsozialismus und heutigen Entwicklungen zu diskutieren. „Wenn wir diese Bezüge zwischen dem Nationalsozialismus und aktuellen Ereignissen herstellen, entwickeln junge Menschen Interesse für den Nationalsozialismus und seine Geschichte“, sagte Wagner den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe zum internationalen Holocaust-Gedenktag (Samstag). Das gelte auch für Besucher, die erst einmal mit einer „Null Bock“- oder „Interessiert mich nicht“-Haltung zu uns kommen."

In der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust, der systematischen und massenhaften Ermordung von Juden, müssten mit jungen Menschen Fragen diskutiert werden wie: „Wie haben die nationalsozialistische Diktatur und die nationalsozialistische Gesellschaft funktioniert?“, sagte Wagner. Anhand der Antworten könne auf die Gegenwart geblickt und geprüft werden, vom wem heute Rassismus, Antisemitismus und autoritäres Denken propagiert werde. „Damit sind wir inmitten heutiger Debatten angesichts des Erstarkens der AfD.“

Junge Menschen merkten an solchen Überlegungen, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus grundlegend sei für das demokratische Zusammenleben heute. „Aber mit ritualisierten, pathoshaften Beschwörungsformeln und der klassischen Kranzniederlegung wird man junge Menschen nicht hinter ihrem Smartphone hervorholen“, sagte der Stiftungsleiter.

Wagner erinnerte auch an die demografischen Herausforderungen für Erinnerungsarbeit. „Kamen vor zehn oder 20 Jahren zu den Gedenktagen noch Hunderte Überlebende, sind es heute nur noch eine Handvoll. In einigen Jahren wird kein Zeitzeuge mehr kommen können.“ Die Arbeit an den Orten der ehemaligen Konzentrationslager werde künftig weniger die Funktion des Gedenkens und des Trauerns haben, sondern der Fokus werde stärker auf der historisch-politischen Bildungsarbeit liegen.

Mit Blick auf innovative Formate erklärte der Stiftungsdirektor der Gedenkstätte Buchenwald, nur mit Vorsicht neue Techniken wie Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality einzusetzen, um den Holocaust zu vermitteln. „Eins unserer höchsten Güter ist die Glaubwürdigkeit, deswegen stellen wir historische Quellen nicht nach.“ Die Besucher sollten lernen, die authentischen historischen Zeugnisse von computergenerierten Fakes zu unterscheiden, die sich im Netz verbreiten.

Das nationalsozialistische Konzentrationslager Mittelbau-Dora beziehungsweise die heutige Gedenkstätte liegt im heutigen Bundesland Thüringen. Das Lager „Dora“ war der Sitz der Kommandantur des „KZ Mittelbau“. In diesem Lager wurden Häftlinge interniert, die beim Ausbau und Betrieb der unterirdischen Rüstungsfabrik Mittelwerk GmbH in einer Stollenanlage eingesetzt waren.

Das KZ Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 bei Weimar als Haftstätte zur Zwangsarbeit mit über 130 Außenlagern betrieben. Rund 56.000 Menschen starben. Auf dem Gelände wurde 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet. Ab 1991 wurde die Gedenkstätte Buchenwald neugestaltet.

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