Stadtmission: Steigende Sprachdefizite bei Kindern

Anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte am 20. November warnt die Stadtmission Nürnberg vor den Folgen wachsender Sprachdefizite bei Kindern. Die Hälfte der Viereinhalb- und Fünfjährigen in Bayern habe den in diesem Jahr neu eingeführten Deutschtest in Kitas nicht bestanden, sagte Johannes Mathes, Bereichsleiter der Kinder- und Jugendhilfe der Stadtmission, bei einem Pressegespräch am Dienstag. Die sinkende Sprachfähigkeit betreffe nicht nur Kinder aus migrantischen Familien, sondern sei durchweg bei allen Kindern feststellbar.

Im Kern gehe es nicht darum, dass Kinder die deutsche Sprache nicht können. „Wir übersetzen keine Sprachen, sondern soziale Situationen“, sagte Marion Gebhardt, Leiterin der Therapeutischen Kindertagesstätte der Stadtmission. Bei Drei- bis Sechsjährigen nehme sie immer häufiger wahr, dass die Kinder Situationen im Miteinander nicht einschätzen und sich nicht ausdrücken können. Das betreffe bei weitem nicht alle Kinder, aber die Schere zwischen denen, die dem Alter gerechte Sprachkompetenzen haben, und denen, die sich nur schwer mitteilen könne, wachse. „Kinder mit großem Hilfebedarf fallen schon sehr früh hinten runter und müssen dann in Spezialeinrichtungen“, sagte Gebhardt.

Als Ursache vermutet die Kita-Leiterin, dass die Kommunikation in Familien weniger wird. So werde seltener am Abend gemeinsame Zeit verbracht und sich über den Tag ausgetauscht. Auch Vorlesen oder gemeinsames Bilderbuchanschauen werde immer seltener. „Außerdem haben die Kinder oft nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern, wenn diese nebenher am Smartphone sind“, sagte Gebhardt. Das begünstige lautes, forderndes Verhalten, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen. Dass kleine Kinder oft schon mit dem Handy abgelenkt werden, habe ebenfalls deutliche Auswirkungen.

Tanja Herrmann, Schulleiterin des Förderzentrums Martin-Luther-Schule, empfiehlt bewusst gemeinsam verbrachte Familienzeit. Gemeinsames Spielen oder Vorlesen erfülle das Bedürfnis der Kinder nach Aufmerksamkeit und Zuneigung und fördere Sprachkompetenz. (3629/18.11.2025)

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