Spirale der Gewalt durchbrechen

In ihren Osterbotschaften haben die Kirchen an die Opfer der verheerenden Terror-Anschläge auf Sri Lanka gedacht. „Auch die schlimmste Gewalt wird uns nicht dazu bringen, vor dem Hass zu kapitulieren“, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Foto: Norbert Neetz / epd
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Foto: Norbert Neetz / epd

Frankfurt a.M./Rom. Die christlichen Kirchen haben an Ostern dazu aufgerufen, die Spirale von Terror und Gewalt zu durchbrechen. Papst Franziskus äußerste sich am Ostersonntag vor Zehntausenden auf dem römischen Petersplatz versammelten Menschen bestürzt über die verheerenden Anschläge in Sri Lanka auf Kirchen und Hotels. In Deutschland übermittelten die Bischöfe der beiden großen Kirchen den Menschen auf Sri Lanka ihr Mitgefühl. Am Ostersonntag sind auf der bei Urlaubern beliebten Tropeninsel im Indischen Ozean Hunderte Menschen bei einer Anschlags-Serie getötet worden.

„Auch die schlimmste Gewalt wird uns nicht dazu bringen, vor dem Hass zu kapitulieren“, erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, auf seiner Facebook-Seite mit Blick auf die Anschläge. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte: Sprachlos stehe man dieser Welle blinder Gewalt gegenüber. Der Ostertag dort sei zu einem dunklen Karfreitag geworden, schrieb Marx in einem Brief an die katholischen Bischöfe von Sri Lanka.

Papst fordert weltweite Friedensbemühungen

Papst Franziskus hatte in Rom den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ gespendet. Dabei forderte er weltweite Bemühungen für den Frieden. In seiner Osterbotschaft warnte er davor, angesichts anhaltender bewaffneter Konflikte in Gleichgültigkeit zu verfallen.

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) übermittelte dem Volk von Sri Lanka sein Mitgefühl. Die Anschläge seien ein Angriff auf den religiösen Frieden und den sozialen und kulturellen Zusammenhalt der Nation, erklärte ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit in Genf.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte, das Osterfest sei ein Aufruf zu praktischem Handeln hier und jetzt: Christen „legen nicht die Hände in den Schoß und warten auf das jenseitige Leben, sondern versuchen, in diesem Leben etwas sichtbar zu machen von dem, was es heißt, gegen den Tod einzustehen.“

In Deutschland beschäftigten die Bischöfe an Ostern auch die Themen Missbrauch, Sterbehilfe, Klimaschutz und die Europawahl. Der katholische Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode griff in seiner Osterbotschaft die Missbrauchsfälle in seiner Kirche auf. Geweihte und verantwortliche Personen hätten ihre Schuld nicht erkannt, verschwiegen oder vertuscht. „Die Kirche ist bis in ihren Grund erschüttert“, sagte er am Karsamstagabend im Osnabrücker Dom.

Grundvertrauen ins Leben stärken

Der Speyerer katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann sprach sich gegen aktive Sterbehilfe aus. Keine andere Botschaft durchziehe die Quellen des christlichen Glaubens so stark, wie die, dass Gott „ein Freund des Lebens“ sei, sagte Wiesemann. Aus diesem Grundvertrauen ins Leben lebe die ganze Gesellschaft. „Ich muss mir sicher sein dürfen, dass Ärzte zum Leben hin wirken. Der Staat muss der oberste Lebensschützer sein“, sagte der Bischof.

Ostern inspiriere für eine Bewegung „Sundays for future“, sagte der Limburger katholische Bischof Georg Bätzing. Er zog einen Vergleich zu den Demonstrationen der Schüler für Klimaschutz unter dem Motto „Fridays for future“. Das Engagement der Schüler sei bewundernswert, denn es ermahne die Erwachsenen an ihre Verantwortung. Der Darmstädter evangelische Kirchenpräsident Jung bezeichnete die Demonstrationen von Schülern für Klimaschutz als österliches Zeichen der Hoffnung.

Oldenburgs lutherischer Bischof Thomas Adomeit erinnerte an Flüchtlingslager, Katastrophengebiete, das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer und das Bus-Unglück auf Madeira, bei dem in der vergangenen Woche 29 Urlauber starben. Solche bedrängenden Todesbilder vom Leiden und Sterben könnten Menschen überwältigen. Gott nehme die Fragen und Zweifel der Menschen ernst. Ostern mache deutlich, dass Gott den Menschen zur Seite stehe.

Christliche Werte für Europa vertreten

Der Münsteraner katholische Bischof Felix Genn rief die Christen auf, bei der Europawahl am 26. Mai „ein Bekenntnis gegen Rassismus, Populismus und falschen Nationalismus zu geben“. Auch Essens katholischer Bischof Franz-Josef Overbeck rief zu Vertrauen in das europäische Projekt auf.

Der Berliner Bischof Markus Dröge unterstrich die Bedeutung der Kirchen für Europa. Die große Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau der bei einem Brand zum Teil zerstörten Pariser Kathedrale Notre-Dame zeige, „es braucht diesen Ort im Herzen der Stadt, in dem die Kultur und der Glaube einer Nation beheimatet ist“, sagte Dröge am Ostersonntag im Berliner Dom.

An Ostersonntag feierten Christen auf der ganzen Welt die in den biblischen Berichten erzählte Auferstehung des gekreuzigten Jesus Christus. Ostern ist der höchste Feiertag im christlichen Festkalender. (epd)