Sie stand diskret hinter ihrer Schwester Königin Sofia. Die norwegische Krone blieb ihr versagt. Dafür besaß die Adelige aus dem Hause Glücksburg etwas Größeres: Mitgefühl und menschliche Noblesse.
Das spanische Königshaus trauert um Irene von Griechenland. Die jüngere Schwester von Altkönigin Sofia ist nach langer Krankheit am Donnerstag im Madrider Zarzuela-Palast im Alter von 83 Jahren gestorben. Gemäß ihrem Wunsch sollen nach einer Trauerfeier im Kreis der Familie ihre sterblichen Überreste nach Griechenland überführt werden, wo sie am Montag bestattet wird.
Ein Palastsprecher erklärte, das Königshaus bedauere zutiefst den Verlust “einer Person, die sich mit ihren solidarischen Projekten für die Bedürftigsten eingesetzt” habe. Irene sei ein Mensch gewesen, der “von allen sehr geliebt” worden sei. Tatsächlich war die seit 1981 in Spanien lebende Prinzessin von Griechenland und Dänemark in Spanien vor allem für ihre wohltätigen Projekte bekannt und beliebt.
Ihr soziales Engagement begann 1986 als Reaktion auf die Massenschlachtung von Rindern, mit der die damalige Europäische Gemeinschaft die überschüssige Milchproduktion regulieren wollte. Die Prinzessin gründete daraufhin ihre Stiftung “Mundo en Armonía” (Welt in Harmonie) und organisierte Kuhtransporte nach Indien, um die Tiere vor der Schlachtung zu retten und ihre Milch und Arbeitskraft bedürftigen Familien zur Verfügung zu stellen.
Diese ungewöhnliche Aktion machte international Schlagzeilen und zeigte ihren praktischen, unkonventionellen Ansatz bei humanitärer Hilfe. Sie ließ die Kühe aber nicht einfach übergeben, sondern ließ die Familien und Dorfgemeinschaften auch in Tiergesundheit und nachhaltiger Nutzung schulen und förderte vor allem die Rolle der Frauen. Sie verband Tierschutz, Armutsbekämpfung und kulturellen Respekt. Kühe haben in Indien eine spirituelle Bedeutung, was Irene von Griechenland sehr bewusst war.
Die in Südafrika geborene Prinzessin lebte in Athen, London und auch in Deutschland, wo sie einen Teil ihrer schulischen Ausbildung absolvierte. Sie besuchte unter anderem die renommierte Internatsschule Schloss Salem in Baden-Württemberg.
Nach dem Sturz der griechischen Monarchie 1967 lebte sie mit ihrer Mutter Königin Friederike, Prinzessin von Hannover, viele Jahre in Indien im Exil. In Madras studierte die Urenkelin von Kaiser Wilhelm II. hinduistische Philosophie und Spiritualität, was ihre religiös-spirituelle Einstellung ihr Leben lang prägte. So bildete die Harmonie zwischen Menschen, Tieren und Umwelt auch den Grundgedanken ihrer Stiftung. Ihr Leitsatz: Hilfe darf nicht demütigen, soll Selbstständigkeit ermöglichen und muss lokale Strukturen respektieren.
Nach diesem Prinzip unterstützte sie mit ihrer Madrider Stiftung “Mundo en Armonía” in 37 Jahren mehr als 150 Projekte – von Tierschutzprojekten bis hin zur Kinderhilfe und Friedensprojekten mit dem israelischen Peres-Friedenszentrum und Kulturorganisationen in Südafrika. Sie half in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz Erdbebenopfern in der Türkei und Marokko, finanzierte medizinische Geräte für Krankenhäuser in südafrikanischen Armenvierteln, unterstützte weltweit Kinderheime und organisierte Lebensmittelspenden und Armenspeisungen in Spanien und Griechenland.
Über ihre Stiftung kämpfte sie auch gegen die Marginalisierung der Roma-Gemeinschaften. Die ausgebildete Konzertpianistin förderte zudem Musikschulen, Bildungsprojekte für sozial benachteiligte Kinder und organisierte zugunsten ihrer Stiftung Benefizkonzerte.
Vielen Spaniern bleibt die kinderlose Prinzessin, die nie verheiratet war, aber auch als die treue und diskrete Gefährtin ihrer größeren Schwester, Altkönigin Sofia, in Erinnerung. Von ihren Nichten und Neffen wie König Felipe VI. wurde sie “Tante Pecu” genannt; für sie war Irene wie eine zweite Mutter.