Eine internationale Gruppe von Sozialpsychologen hat in einer öffentlichen Stellungnahme eine sofortige Feuerpause und eine Zukunftsperspektive für den Gaza-Streifen und Israel gefordert. Die Konfliktparteien könnten und wollten einen Befriedungsprozess nicht selbst einleiten, heißt es in der Stellungnahme, die unter anderem der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner am Montag veröffentlichte. In einer solchen Konfliktsituation bedürfe es der internationalen Vermittlung und des internationalen politischen Drucks auf beide Konfliktparteien.
Aus sozialpsychologischer Sicht werde es keine militärische Lösung für den Krieg zwischen der Hamas und Israel geben. Jeder Kriegsausgang werde für die Sieger ein „Scheinsieg“ sein, er werde Vorurteile und Hass auf beiden Seiten verstärken und zu immer neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen führen.
Die Gruppe fordert die politisch Verantwortlichen weltweit dazu auf, „einen Plan zur Befriedung des Konflikts zu entwickeln, der für beide Seiten gerecht erscheint und beiden Seiten Vorteile verspricht“. Das bedeute auch, die Einstellung von Kampfhandlungen, die Zustimmung zu Friedensverhandlungen und die Zustimmung zu einem Friedensabkommen für beide Konfliktparteien mit Vorteilen zu verknüpfen, heißt es in der Stellungnahme, die auf der Website des Instituts für Sozialpsychologie der Frankfurter Goethe-Universität veröffentlicht ist.
Das Schreiben ging den Angaben zufolge auch an UN-Generalsekretär Antonio Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Olaf Scholz und Außenministerin Annalena Baerbock.