Zu jung für Social Media? Immer mehr Staaten wollen Australiens Beispiel folgen und die Jüngsten von bestimmten Apps fernhalten. Ein Überblick, welche Verbote diskutiert werden und wie sie umgesetzt werden sollen.
Sie machen abhängig, führen zu Schlafmangel und bringen Gewalt und Desinformation in die Kinderzimmer - Kritiker haben viele Argumente für ein Verbot von Social Media für die Jüngsten. Befürworter sehen eher Eltern und Schulen in der Pflicht und betonen, dass Kinder den Umgang mit Tiktok, Instagram und Co. erlernen müssen. Außerdem wird befürchtet, ein Verbot schließe Kinder und Jugendliche damit aus wichtigen demokratischen Debatten aus. Weltweit wird das Thema diskutiert. Und immer mehr Länder liebäugeln mit klaren Verboten. Ein Überblick:
Down Under ist es Jugendlichen unter 16 Jahren seit dem 10. Dezember 2025 verboten, ein eigenes Konto auf Social-Media-Plattformen zu besitzen. Betroffen von diesem Verbot sind etwa Tiktok, Snapchat, Instagram, Facebook, Threads und X. Unternehmen, die das Alter ihrer Nutzer nicht konsequent überprüfen, müssen mit Strafen von umgerechnet bis zu 30 Millionen Euro rechnen. User müssen mit einem amtlich zugelassenen Dokument - in Australien gibt es keinen Personalausweis - nachweisen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sind. In den ersten vier Wochen wurden nach Angaben der australischen Regierung 4,7 Millionen Konten gesperrt.
Die französische Nationalversammlung stimmte Ende Januar für einen Gesetzentwurf, mit dem Jugendlichen unter 15 der Zugang zu Sozialen Medien verboten werden soll. Der Entwurf muss noch den Senat, also die zweite Parlamentskammer, passieren. Ausgenommen vom Verbot wären Online-Enzyklopädien wie Wikipedia, bestimmte Bildungs- und Wissenschaftsangebote und private Messenger-Dienste. Anders als in einer früheren Version des Gesetzentwurfs vorgesehen, sollen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren Social Media auch dann nicht mehr nutzen dürfen, wenn sie das Einverständnis ihrer Eltern hätten.
Aus der griechischen Regierung hieß es Anfang der Woche, man sei kurz vor einem Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren. Griechenland arbeitet bereits seit Längerem an der technischen Umsetzung. Denn die Regierung plant, das Verbot nicht (nur) durch die Plattformen umsetzen zu lassen. Die "Kids Wallet App" soll eine verifizierte Altersprüfung ermöglichen und dann direkt auf den Geräten den Zugang zu Plattformen verhindern. Mit derselben App können dann auch für Jugendliche unter 18 Jahren Webseiten mit Pornografie, Glücksspiel und Alkohol gesperrt werden.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte vor wenigen Tagen an, dass Heranwachsenden unter 16 Jahren der Zugang zu Social Media verboten werden soll. "Unsere Kinder sind einem Bereich ausgesetzt, zu dem sie niemals unbeaufsichtigt Zugang haben sollten", erklärte Sánchez am Dienstag. Das werde man nicht länger dulden. Er kündigte für kommende Woche einen Gesetzentwurf an. Sánchez will die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht nehmen.
Im Vereinigten Königreich hat Ende Januar das Oberhaus für ein Social-Media-Verbot nach australischem Vorbild gestimmt. Die Parlamentskammer aus Adeligen und honorigen Bürgern macht dadurch Druck auf die britische Regierung und das vom Volk gewählte Unterhaus. Das wird sich nun mit dem Thema befassen.
Im deutschen Nachbarland sollen Jugendliche unter 15 Jahren bald keine Sozialen Medien mehr nutzen. Im November hieß es aus Kopenhagen, es gebe eine Mehrheit im Parlament für ein Verbot bestimmter Plattformen. Diskutiert werden Ausnahmen für Kinder ab 13 Jahren mit Einwilligung der Eltern. Dänemark stellte auch Investitionen von gut 20 Millionen für Initiativen in Aussicht, die sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum einsetzen. Medienberichten zufolge sollen die geplanten Regelungen im Laufe dieses Jahres umgesetzt werden.
Hierzulande hat die Bundesfamilienministerin im vergangenen September eine Kommission eingesetzt, die Empfehlungen für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz vorlegen soll. Das Gremium besteht aus 18 Mitgliedern, unter anderem aus den Bereichen Bildungsforschung, Kinder- und Jugendmedizin, Medienrecht und Medienpädagogik. Kinder und Jugendliche sind nicht in dem Gremium vertreten, sollen laut Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) aber über verschiedene zeitgemäße Beteiligungsformate eingebunden werden. Die Ergebnisse sollen spätestens am Ende der parlamentarischen Sommerpause 2026 vorliegen.
Sowohl Prien als auch ihre Kollegin Stefanie Hubig (SPD), Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz, zeigen sich in Interviews offen für ein Social-Media-Verbot bis zu einem bestimmten Alter. In der CDU kommt das Thema am 20. und 21. Februar auf die Tagesordnung des Parteitags. Der Landesverband Schleswig-Holstein formulierte einen Antrag, der ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für offene Plattformen fordert.