Fälle im Zeltlager

Sexueller Missbrauch im Zeltlager: Hamburger Kirchenkreis sucht Zeugen

Der Kirchenkreis Hamburg-Ost sucht nach einem Fall von sexuellem Missbrauch Zeugen oder mögliche weitere Betroffene. Anfang der 2000er-Jahre sei im Freizeitzeltlager Groß Wittfeitzen mindestens ein Junge mehrfach missbraucht worden.

von Kristina Tesch

Hamburg/Waddeweitz. Im niedersächsischen Freizeitzeltlager Groß Wittfeitzen hat es Anfang der 2000er-Jahre offenbar mindestens einen Fall von sexuellem Missbrauch gegeben. Ein damals etwa neunjähriger Junge sei dort mehrere Jahre von einem Betreuer missbraucht worden, teilte der Kirchenkreis Hamburg-Ost mit. Der Betroffene habe sich 2019 an die Nordkirche gewandt, sagte die unabhängige Meldebeauftragte des Kirchenkreises, Jette Heinrich.

Unter Verdacht steht ein damals etwa 20-jähriger Teamer, der im Tatzeitraum in mehreren Kirchengemeinden in den Vier- und Marschlanden aktiv gewesen ist. Er sei seit 20 Jahren nicht mehr im Kirchenkreis aktiv, hieß es.

Keine Teilnehmerliste

Zur fraglichen Zeit sei das Freizeitzeltlager von mindestens sieben Kirchengemeinden besucht worden. Gruppen aus Kirchwerder, Geesthacht, Neuengamme, Altengamme, Langenhorn, Neuallermöhe und von der Friedenskirche Altona seien vor Ort gewesen. Teilnehmerlisten aus der Zeit lägen allerdings nicht mehr vor, hieß es. Die Übergriffe sollen nachts im Zelt und tagsüber in den Duschen eines nahegelegenen Freibades stattgefunden haben, so Heinrich.

Zeugen gesucht

Jetzt sucht der Kirchenkreis Zeugen oder mögliche weitere Betroffene. Die Teilnehmenden seien damals im Kindes- und Jugendalter gewesen, so Pröpstin Ulrike Murmann. Sie hätten Situationen möglicherweise als harmloser wahrgenommen, als sie es in Wahrheit gewesen sind. Rückblickend könne ihnen durch die jetzige Veröffentlichung klar werden, dass es sich um Missbrauch gehandelt hat.

Der Betroffene habe 2019 Anzeige bei der Polizei erstattet. Dass der Fall erst jetzt öffentlich gemacht werde, liege einerseits am langen persönlichen Prozess des Betroffenen und andererseits an den strukturellen Voraussetzungen wie Vorgaben der Staatsanwaltschaft, sagte Heinrich. Sie habe viele Gespräche und einen engen Austausch mit dem Betroffenen gehabt. Es sei wichtig, dass die Betroffenen über ihre Geschichte entscheiden. Es brauche schon viel Mut, sich an die Meldebeauftragte zu wenden, so Heinrich. „Ihnen soll nicht noch einmal die Kontrolle über sich und ihre Geschichte genommen werden“.

Keine Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen 2021 eingestellt, weil eine Verurteilung des verdächtigen Teamers nicht zu erwarten war, hieß es. Der Kirchenkreis sei dennoch davon überzeugt, dass die Übergriffe stattgefunden haben, sagte Murmann. „Wir haben keine Zweifel an dem, was die betroffene Person uns geschildert hat.“

Es sei wichtig, dass sich Betroffene melden. Nur so könne die Präventionsarbeit ausgebaut werden. Heute werde nicht mehr weggeschaut, „sondern auch kleine Anzeichen werden ernst genommen“, so Murmann. Betreuer würden heute deutlich besser geschult als vor 20 Jahren, und das Schutzkonzept sei engmaschiger geworden, hieß es.

Hamburger Gemeinden zu Gast

Das Zeltlager Groß Wittfeitzen befindet sich im niedersächsischen Wendland. Groß Wittfeitzen ist ein Ortsteil der Gemeinde Waddeweitz im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Kirchliche Gruppen fahren seit mehr als 70 Jahren dorthin. Während der Sommerferien treffen sich in dem Zeltlager Kinder aus verschiedenen Hamburger Gemeinden. (epd)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren