Seit Weihnachten häufen sich „soziale Notrufe“

Der Malteser Hilfedienst kümmert sich immer öfter um einsame Menschen, die einfach mal wieder mit jemanden sprechen wollen. Und die Not wird in Zukunft noch zunehmen.

Seit Weihnachten sind in NRW fast 400 Mal Rettungswägen der Malteser wegen akuter Einsamkeit unterwegs gewesen
Seit Weihnachten sind in NRW fast 400 Mal Rettungswägen der Malteser wegen akuter Einsamkeit unterwegs gewesen

Mehr als die Hälfte der Hausnotrufe, die seit Weihnachten beim Malteser Hilfsdienst in Nordrhein-Westfalen eingegangen sind, sind offenbar ein Signal der Einsamkeit gewesen. Zwischen Heiligabend und dem 2. Januar seien 4.488 Notrufe erfolgt, 392 mal sei ein Rettungswagen ausgerückt, wie die Malteser mitteilten. In rund 1.800 Fällen kümmerte sich ein Malteser-Helfer oder ein Nachbar, Verwandter oder der Hausarzt um die betroffene Person, wie es hieß.

Bei über 2.500 Alarmen sei dagegen keinerlei Hilfeleistung erforderlich gewesen. Fachleute sprechen von „sozialen Hilferufen“, wenn Menschen Alarm auslösen, „um einfach mal wieder mit jemandem zu sprechen“. In der Zeit zwischen den Jahren sei die Anzahl dieser Signale besonders hoch gewesen.

Einsamkeit als gesellschaftliches Problem

Insgesamt betreuen die Malteser im bevölkerungsreichsten Bundesland nach eigenen Angaben 40.000 Hausnotrufkundinnen und -kunden. Einsamkeit sei „ein ernstes gesellschaftliches Problem“, sagte die Leiterin Hausnotruf der Malteser in NRW, Ruth Horn-Busch. „Die Menschen werden immer älter, und wir stellen fest, dass es nicht mehr die klassische Großfamilie gibt, die füreinander sorgt.“

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland ist davon überzeugt, dass die Einsamkeit hierzulande noch zunehmen werde. Das hatte der vierte Malteser Ehrenamtsmonitor auf Grundlage einer repräsentativen YouGov-Umfrage vom Ende des vergangenen Jahres ergeben. Auch die Telefonseelsorge hatte kürzlich mitgeteilt, dass Einsamkeit im abgelaufenen Jahr für viele Menschen ein Grund für eine Kontaktaufnahme war.