Wie die Kirchen Gottesdienste während der Corona-Krise organisieren

Segen nur nach Anmeldung

Nach Öffnung der Kirchen ist Kreativität gefragt. Die Gemeinden in Hamburg und Schleswig-Holstein wissen sich zu helfen – auch wenn sie schon mal Besucher abweisen müssen.

Besucher sollten in Kirchen weiter Vorsicht walten lassen (Symbolbild)

von Thomas Morell

Kiel. Die schmucke St. Lorenz-Kirche in Travemünde zählt zu den touristischen Highlights des Ostseebades. Doch wer hier spontan einen Gottesdienst besuchen will, kommt möglicherweise vergeblich. 30 Plätze sind in Corona-Zeiten nur zu vergeben. Manch ein Besucher, der sich nicht vorher telefonisch angemeldet hat, wurde bereits abgewiesen. Die Gemeinde bemühe sich, auch Touristen gut zu informieren, sagt Pastorin Anja Möller. Zum Ausgleich wurden sogar zusätzliche Gottesdienste dienstags und donnerstags angeboten. „Die wurden aber nicht so gut angenommen.“

Auch wenn die Gemeinden seit Anfang Mai wieder Gottesdienste feiern dürfen, sind angesichts der Corona-Hygieneregeln Kreativität und Improvisationstalent gefragt. In den Kirchen darf nicht gesungen, sondern allenfalls gesummt werden. Bläser sind tabu, und das Abendmahl wird auch nicht gereicht. Deshalb sind die Gottesdienste auch kürzer. Selbst die Hamburger Hauptkirchen, bekannt für ihre reichhaltige Liturgie, kommen derzeit mit weniger als einer Stunde aus.

Freiluft-Gottesdienst auf der Apfelwiese

Dafür erreicht die Anzahl der Gottesdienste Spitzenwerte: Die Kieler Stadtkirche St. Nikolai und die Hamburger Hauptkirche St. Jacobi feiern hintereinander gleich zwei Gottesdienste. Auch in Heikendorf, Hamburg-Bramfeld, Oldenswort und auf Amrum gibt es doppelte Gottesdienste.

Wie in Travemünde müssen auch andere Gemeinden die Besucherzahl begrenzen. Die mittelalterliche Feldsteinkirche in Eckernförde-Borby zählt normalerweise 80 bis 120 Gottesdienstbesucher. Doch aktuell stehen nur 35 Plätze zur Verfügung. Zudem ist die Eckernförder Stadtkirche zur Zeit geschlossen. Der Platz reicht trotzdem. Viele Menschen würden derzeit wohl einen Besuch noch scheuen, vermutet Pastor Ole Halley. Beim Freiluft-Gottesdienst auf der Apfelwiese kamen dagegen rund 130 Menschen – hier durfte auch gesungen werden.

Blick auf die Hamburger Hauptkirchen St. Jacobi (li.) und St. Katharinen Foto: Norbert Neetz / epd

War die digitale Übertragung in Corona-Zeiten anfangs eine Notlösung, so haben einige Gemeinden das Internet für sich entdeckt. Die Apostelgemeinde in der Kieler Wik zählt mittlerweile 400 Gäste, die den Sonntagsgottesdienst am PC verfolgen. Zwischen 50 und 80 Besucher kommen nach Angaben von Pastor Lutz Damerow derzeit in die Kirche, rund 250 waren es früher. „Manche finden es offenbar besser, auf dem Sofa mitzusingen.“ Den digitalen Service möchte die Gemeinde auch künftig anbieten und sucht jetzt Fördertöpfe für eine bessere Übertragungstechnik.

Glockengeläut übers Telefon

Auch die Lübecker Gemeinde St. Jürgen freut sich über das erfolgreiche Digital-Projekt. Mit #liveline seien bereits mehr als 100.000 Menschen erreicht worden, sagt Lübecks Pröpstin Petra Kallies. Es sei eine „digitale Gemeinde“ entstanden. Daher soll #liveline die nächsten drei Jahre einmal pro Monat weitergeführt werden.

Einige kleinere Kirchen verzichten aber auch auf ihren Gottesdienst. Pastorin Maike Engelkes aus dem Dorf Windbergen in Dithmarschen bietet stattdessen einen Telefongottesdienst an: Ein bis zwei Dutzend Gläubige wählen sich ein und hören erst mal Glockengeläut vom Band. Die Pastorin spricht Bibeltexte, Fürbitten und eine kleine Predigt. Gemeinsam beten alle am Telefon dann das Vaterunser und singen ein bekanntes Kirchenlied. Das gemeinsame Singen sei nicht so einfach, räumt Pastorin Engelkes ein. „Wir brauchen viel Disziplin.“ (epd)

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