Schriftsteller: Dafür braucht die Gesellschaft die Kunst

Steffen Kopetzky (52), Schriftsteller, sieht Kunst nach eigenen Worten als Teil der menschlichen Selbstfindung. Die Gesellschaft brauche die Kunst, "um zu träumen, um andere Geschichten zu erleben, um andere Visionen von uns vorgestellt zu bekommen, um die Schönheiten besser zu erkennen - oder eben auch, um die Wirklichkeit in ihrer ganzen Härte zu sehen", sagte Kopetzky der Zeitschrift "Psychologie Heute" (Januar-Ausgabe). Auf diese Weise den Horizont zu erweitern, sei besonders wichtig im Zeitalter der Sozialen Medien, "in dem der Reflexionsraum bei den Leuten immer enger wird".

Für Politik und Kunst könne es "therapeutisch" sein, sich über Schaffensprozesse auszutauschen, erklärte der Autor weiter. "Gemeinsam ist beiden das Gestaltende: Beide schaffen etwas, was es vorher nicht gab." Tatsächlich versuchten beide, stets stark und souverän zu erscheinen, dabei seien die "Niederungen" das Interessante: in der Politik etwa, "in einem gesetzgebenden Verfahren oder in einem Gemeinderat eine Entscheidung herbeizuführen", beim Verfassen eines Romans "viel Unsicherheit, Hadern, Streichungen und Umschreiben".

Künstlerinnen und Künstler dächten sich etwas aus und setzten es so um, "dass es Wirklichkeit wird", sagte Kopetzky. "Doch so einfach geht es in der Politik eben nicht, das hat mich meine Erfahrung in der Kommunalpolitik gelehrt. Demokratie ist eine anstrengende Angelegenheit." Gesellschaftliche Konflikte auch mit Andersdenkenden auszutragen, sei "nicht durchweg beliebt in der Bevölkerung: dieses Diffuse, dieses Parteiengezänk".

Aus solchem Verdruss entstehe leicht die Sehnsucht nach Führungsfiguren, warnte der Autor. Dies sei in den 1920er Jahren, in denen sein neuester Roman "Damenopfer" spielt, ähnlich gewesen. In den folgenden Diktaturen habe sich auch gezeigt, dass den Menschen ohne die Kunst "eine Menge" gefehlt habe, worauf viele mit einem Rückzug ins Innenleben reagiert hätten.

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