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Schah-Sohn Reza Pahlavi hofft auf Regimewechsel im Iran

Vor genau 100 Jahren putschte sich der Großvater Reza Pahlavis auf den persischen Thron. Sein Vater wurde 1979 verjagt. Nun will der Sohn als moderner Schah die Dynastie erneuern. Aber noch regieren im Iran die Mullahs.

Das Mullah-Regime im Iran wankt – wieder einmal. Nach Verhängung einer landesweiten Internetsperre ist die Lage unübersichtlich. Während die islamistische Regierung bekundet, man habe alles unter Kontrolle, sprechen Berichte aus Oppositionskreisen von anhaltendem Aufruhr in rund 180 Städten und mittlerweile 500 Toten, davon etwa 50 Angehörige der Sicherheitskräfte. Die heftigsten Proteste seit Jahren richten sich seit zwei Wochen gegen hohe Lebenshaltungskosten und eine desolate Wirtschaftslage. Im Kern zielen sie aber auf den Sturz der repressiven Theokratie mit ihren verkrusteten korrupten Strukturen unter Revolutionsführer Ali Chamenei.

Clips in den Sozialen Netzwerken zeigten zuletzt nicht nur Demonstranten, die “Tod Chamenei” rufen, sondern auch den Slogan “Lang lebe der König!” Gemeint ist damit Ex-Kronprinz Reza Pahlavi, der älteste Sohn des in der Islamischen Revolution 1979 gestürzten letzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Der 65-Jährige, der seit den 80er Jahren im Exil in den USA lebt, sucht sich mehr denn je als führende Integrationsfigur der Opposition gegen die Mullahs zu profilieren. Nach den Militärschlägen Israels und der USA gegen den Iran im vergangenen Juni sagte er in einer Rede: “Ich trete voran, um diesen nationalen Übergang zu leiten.” Und: “Ich habe einen klaren Plan.”

Vergangene Woche rief er in einer Videobotschaft auf X zu landesweiten Streiks auf. Die Menschen im Iran sollten an diesem Wochenende “alle auf die Straße gehen” und die Stadtzentren einnehmen. Er selbst rechne damit, “sehr bald” in sein Land zurückzukehren. Doch wie realistisch ist das und über welchen Rückhalt verfügt der Schah-Sohn tatsächlich?

Zunächst scheint abwegig, dass ausgerechnet der Abkömmling des einst bei den Volksmassen tief verhassten und verjagten letzten Monarchen zum Hoffnungsträger einer neuen Revolution werden kann. Dem Mullah-Regime fällt es außerdem leicht, den Sohn des einstigen Tyrannen als Agenten der USA und willfährigen Partner Israels hinzustellen. Seine Sympathien für den jüdischen Staat, der im Iran allenfalls in Teilen der westlich orientierten Mittelschicht Freunde hat, hat Reza Pahlavi oft betont; 2023 sorgte sein herzlicher Besuch bei Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für Kontroversen in der iranischen Diaspora – und hämische Diffamierung in Teheran.

Viele Beobachter sind sich einig, dass der Verdacht ausländischer Einflussnahme auch unter iranischen Oppositionellen verbreitete Abwehrreflexe hervorruft. Das historische Trauma sitzt tief aus Zeiten, als Großbritannien und die USA den Schah als Marionette nutzten, um sich die Kontrolle der iranischen Ölreserven zu sichern und den Iran den eigenen geostrategischen Interessen zu unterwerfen.

Doch Reza Pahlavi hat auch etwas anzubieten. Anders als sein Vater will er erklärtermaßen kein autokratischer Herrscher auf dem persischen Pfauenthron sein, sondern ein konstitutioneller König, sozusagen ein Charles III. im Mittleren Osten. Er verspricht mehr soziale Gerechtigkeit, eine säkulare Demokratie und eine Verfassung, die Meinungsfreiheit und Menschenrechte garantiert – und damit genau die Werte, für die Iraner seit Jahren immer wieder die Terrorherrschaft der Mullahs herausgefordert haben.

Unter den meist säkularen Exil-Iranern hat der einstige Kronprinz neben Kritikern eine treue Anhängerschaft. Sie speist sich auch aus der Tatsache, dass der Iran neben seiner schiitischen Prägung immer auch eine stolze vorislamische Identität besaß, die bis in die Epoche der Perserkönige lange vor Christus reicht. Ob dies jedoch eine neo-royalistische Mobilisierung innerhalb des Irans tragen könnte, ist zweifelhaft. Zumal die Pahlavi-Dynastie gerade mal seit einem Putsch 1925 den Thron besaß. Untersuchungen zur Beliebtheit des Schah-Erben in der iranischen Gesellschaft gibt es logischerweise nicht.

In einem Bericht der US-Zeitung “Politico” vom Juni 2025 waren zahlreiche iranischstämmige Analysten skeptisch, dass Reza Pahlavi größere Unterstützung im Land hat. “Es gibt keine bewaffnete oder gewaltfreie zivile Widerstandsbewegung für ihn im Iran”, sagte etwa Shervin Malekzadeh, Politikwissenschaftler am kalifornischen Pitzer College.

Bisher scheint der ambitionierte Schah in spe lediglich davon zu profitieren, dass er sich als einzige bekannte Identifikationsfigur gegen die Mullahs anbietet. Er sei “die einzige Führungspersönlichkeit, auf die sich Demonstranten landesweit berufen”, sagte Konfliktforscherin Sara Bazoobandi der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Allen Protestbewegungen der vergangenen 17 Jahre fehlte ein charismatischer Anführer. Potenzielle Anwärter fielen entweder dem Polizeistaat zum Opfer oder stammen selbst aus den korrumpierten Kreisen des Regimes. So dürfte Reza Pahlavi vorerst weiter davon träumen, von jubelnden Massen am Flughafen Teheran begrüßt zu werden – wie einst Revolutionsführer Ayatollah Khomeini im Februar 1979.