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Renovabis und Caritas verstärken Winternothilfe für die Ukraine

In der Ukraine seien so viele Menschen ohne Strom und Heizung wie nie zuvor, beklagen katholische Hilfswerke. Sie kritisieren die russischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung und organisieren konkrete Hilfe vor Ort.

Die katholischen Hilfswerke Renovabis und Caritas international verstärken ihre Winternothilfe in der Ukraine. Zugleich verurteilten sie am Mittwoch die russischen Angriffe auf die ukrainische Stromversorgung als völkerrechtswidrig.

“Wir erleben, wie Kälte gezielt als Kriegswaffe eingesetzt wird”, sagte die Caritas-international-Mitarbeiterin in Kiew, Hannah Kikwitzki. Die “systematische Zerstörung der zivilen Energieinfrastruktur” treffe insbesondere Alte und Kranke.

Im härtesten Winter seit Kriegsbeginn mit bis zu minus 20 Grad seien die Menschen zusätzlich massiven russischen Angriffswellen ausgesetzt, ergänzte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Thomas Schwartz: “Die Bedingungen, unter denen die Menschen in den ukrainischen Städten leben, sind unmenschlich und lebensbedrohlich.”

Partner des katholischen Osteuropa-Hilfswerks berichteten, dass auch Familien mit kleinen Kindern große Probleme hätten, diese vor Unterkühlung zu bewahren, so Schwartz weiter. Oft lägen die Temperaturen in den Wohnungen bei nur noch 13 Grad; Familien müssten über Stunden ohne Strom und warmes Wasser auskommen.

Renovabis habe angesichts der Not eine “sofortige Winternothilfe” eingerichtet und plane dafür 500.000 Euro ein, fügte er hinzu. Dazu gehörten unter anderem Wärmestuben, beheizte Zelte, Notstromgeneratoren und Sozialküchen, aber auch die Verteilung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

In diesem Winter entschieden Wärme und Strom immer häufiger über Leben und Tod, betonte Caritas-Mitarbeiterin Kikwitzki. Laut offiziellen Angaben seien mittlerweile mehr als eine Million Menschen ohne Strom, Wasser und Heizung – so viele wie nie zuvor.

In vielen Vierteln der ukrainischen Hauptstadt gebe es nur noch wenige Stunden am Tag Strom, so Caritas international weiter. Familien schliefen in mehreren Kleidungsschichten. Senioren harrten tagelang in unbeheizten Wohnungen in Hochhäusern aus, in denen der Fahrstuhl wegen der Stromausfälle nicht funktioniere. Die extremen Temperaturen brächten viele in Lebensgefahr.

“Kälte, zerstörte Häuser und unterbrochene Versorgungswege verschärfen die ohnehin dramatische Lage massiv. Für Tausende ist der Winter inzwischen ebenso gefährlich wie der Alltag unter Beschuss”, so Kikwitzki.

Sie berichtete weiter, viele der landesweit 70 Caritas-Zentren seien zu Schutz- und Wärmepunkten” geworden. Dort würden auch Brennstoffe und Heizmaterial sowie Schlafsäcke und warme Kleidung ausgegeben. Mit Unterstützung aus Mitteln der Bundesregierung könnten auch Bargeldhilfen verteilt werden. Der Bedarf übersteige aber bei weitem die Mittel: “Wir müssen täglich entscheiden, wer am dringendsten Hilfe benötigt. Das ist eine der schwersten Entscheidungen für unsere Teams vor Ort.”