Der Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster zieht zu der am Samstag in Stuttgart geendeten letzten Synodalversammlung des katholischen Reformprozesses in Deutschland, des „Synodalen Weges“, eine ernüchterte Bilanz. Zum Ende sei deutlich geworden, „man muss sich weltkirchlich einbinden, und am Ende entscheidet der Papst“, sagte Schüller am Samstag dem WDR-Radio. Positiv sei aber, dass trotz der „vielfältigen Interaktionen und Verbote aus Rom“, die Ursachen sexualisierter Gewalt identifiziert worden seien. Auch habe eine andere Diskussionskultur in der katholischen Kirche in Deutschland Einzug gehalten, Themen hätten offen angesprochen werden können.
Schüller benannte allerdings auch Ausnahmen von der neuen Gesprächskultur zwischen Bischöfen und Laien. Neben dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hätten sich auch die Bischöfe Stefan Oster aus Passau und Rudolf Vorderholzer aus Regensburg „komplett isoliert“. Das zeige, wie verworfen und polarisiert die katholische Kirche in Deutschland sei. Die Diözese Limburg hingegen sowie viele andere Diözesen seien wirklich bereit, etwa das Thema Sexualität anzupacken, sagte Schüller von der Universität Münster. Auf der anderen Seite gebe es „autokratisch statisch herrschende Bischöfe wie den Kardinal von Köln, dem sind die Gläubigen im Grunde genommen egal, der herrscht, und es gibt Diözesen, wo es das anders ist, und dementsprechend gibt es Wanderungsbewegungen und es gibt Austrittsbewegungen“.
Als größte betroffene Gruppe bezeichnete Schüller die Frauen, die weiterhin am „am Band der Bischöfe“ geführt und nicht wie gleichberechtigte Schwestern behandelt würden. Das sei auf der Versammlung in Stuttgart sehr deutlich geworden.
Der ungarische Geistliche und vatikanische Diplomat Gábor Pintér habe am Freitag auf den Zustand der Welt im Krisenmodus hingewiesen und auf die totalitären Herrschaftssysteme und die Bedrohung der Schöpfung aufmerksam gemacht, würdigte Schüller. Diese globale Lage habe sich in den sechs Jahren des Synodalen Wegs dramatisch verschlechtert. Die katholische Kirche in Deutschland könne womöglich gerade jetzt mit der Synodalkonferenz, wo Laien und Bischöfe zusammen beraten, positiv in die Gesellschaft wirken. Es dürfe nicht nur Nabelschau betrieben werden.