Wegen Menschenhandels, Zwangsarbeit und Schwarzarbeit im Reinigungsgewerbe sind bundesweit mehr als 90 Objekte durchsucht worden. Der Schaden für die öffentliche Hand und die Sozialversicherungsträger betrage mehr als sieben Millionen Euro, teilte die Staatsanwaltschaft München I am Freitag mit. Aktuell werde gegen 18 Beschuldigte ermittelt, denen zudem das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt, Ausbeutung der Arbeitskraft und Steuerhinterziehung zur Last gelegt wird. Beamte durchsuchten in den vergangenen Tagen Privatwohnungen, Geschäftsräume, Steuerberaterkanzleien und Arbeitnehmerunterkünfte in München und anderen Orten in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Drei Männer mit serbischer beziehungsweise italienischer Staatsangehörigkeit und eine rumänische Frau wurden festgenommen und befinden sich in Untersuchungshaft. Ein rumänischer Beschuldigter wurde zudem in Rumänien festgenommen. Vermögen in Höhe von rund 6,7 Millionen Euro wurde eingefroren.
Ermittelt werde gegen 14 Gesellschaften mit Sitz in München und Umgebung, hieß es. Hauptbeschuldigte seien Geschäftsführer der größten Gesellschaft, durch die allein ein Schaden von über 6,8 Millionen Euro verursacht wurde. Sie sei in der Gebäudereinigung, Baustellenreinigung, Gebäudeüberwachung und der Durchführung von Abbrucharbeiten tätig und habe mehrere der anderen Gesellschaften als sogenannte Servicefirmen eingesetzt. Von diesen bezog sie Scheinrechnungen, um Schwarzlohnzahlungen zu verschleiern.
Bei der Razzia fanden Polizeibeamte in einer Arbeitnehmerunterkunft menschenunwürdige Bedingungen vor. Arbeitnehmer seien in Mehrbettzimmern ohne fließendes Wasser und funktionierende Toiletten in Kellerräumen untergebracht gewesen. Teils mussten sie für ihre Unterbringung überhöhte Mieten entrichten und waren nicht zur Sozialversicherung angemeldet. (3568/16.11.2025)