Pressemitteilung des Kirchenkreises Altholstein

Partnerkirchen besuchen Eiderheim für behinderte Menschen

Patrik Sassersson beugt sich über die Werkbank, nimmt eine Handvoll Sägespäne, riecht daran: "Eindeutig, das ist Holz aus Schweden!" Lautes, grenzenloses Lachen unter den Besuchern des Eiderheimes in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

von Jürgen Schindler

Aus Schweden ist der Kirchenmusiker Patrik Sassersson in den Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein gekommen, zusammen mit Menschen aus Brasilien, Tansania, Lettland und England. Alle sind sie Vertreter einer befreundeten Kirche und entdecken bei der sogenannten Partnerkirchenkonsultation, welche Themen im Norden oben auf liegen. Im Eiderheim informieren sie sich gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus Altholstein über Integration und Inklusion. Denn in dieser Einrichtung des Landesvereins für Innere Mission arbeiten 300 Menschen mit Behinderung. "Wenn Sie hier etwas Grünes sehen, dann ist das meistens für Jäger bestimmt", erklärt Werkstattleiter Martin Krumm beim Rundgang über das Gelände.
Er stellt das Eiderheim als einer der größten Anbieter für Revierbedarf vor. Prompt stoßen die Besucher in einer der Hallen auf einen Mitarbeiter in weißer Schutzkleidung, der Holzteile mit grüner Farbe besprüht. Unter anderem produziert das Eiderheim Ansitze. Doch schauen alleine reicht den wissbegierigen Besuchern nicht. Ausführlich beantwortet Werkstattleiter Krumm die unzähligen Fragen der Gäste. "Gibt es Unterschiede in der Bezahlung der Menschen mit Behinderung", möchte Mauro Alberto Schwalm, Pastor aus Brasilien, wissen.
Er erfährt, dass jeder Mitarbeiter mindesten 75 Euro im Monat verdient, das Gehalt aber bis 600 Euro variieren kann. "Im Schnitt gehen die Mitarbeiter mit 158 Euro in der Tasche nach Hause", erläutert Krumm, plus staatlicher Unterstützung versteht sich. Erstaunt nehmen die internationalen Kirchenvertreter wahr, wie viele kleine Handgriffe es im Eiderheim zu erledigen gibt. So werden in einer Werkstatt Plastikteile zusammengesteckt, die später in der Schiffselektrik Verwendung finden. "Solche eher einfachen Aufgaben sind nicht gut bezahlt, aber wichtig für Mitarbeiter, die keine komplexeren Arbeiten erledigen können", sagt Krumm. Letztendlich müsse das Eiderheim mit der Produktion und seinen Dienstleistungen pro Jahr mehr als eine Million Euro umsetzen, um die Kosten und Entgelte für Mitarbeiter zu erwirtschaften. Hochspannend findet das Maureen Hobbs.
Die Pastorin der Kirche von England gibt zu bedenken, dass die britische Regierung diese Werkstättenarbeit zunächst privatisiert und dann komplett eingestellt hat. "Nun werden verstärkt private Unternehmen ermutigt, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Der Staat unterstützt die Betriebe dabei, und ich habe den Eindruck, dass das auch funktioniert", meint Hobbs. Sie könne und wolle sich aber kein Urteil darüber erlauben, welches der beiden System nun besser sei. Ihr Kollege aus Brasilien, Mauro Alberto Schwalm, vergleicht das Eiderheim mit der Betreuung behinderter Menschen in seinem Land. "Das ist ein riesiger Unterschied", konstatiert der Pastor.
"Auch wenn sich unser Staat anstrengt, so ist in Brasilien doch jeder Mensch mit Handicap nahezu auf sich allein gestellt." Er bewundert, wie sich im Eiderheim jeder mit seinen Fähigkeiten ins Arbeitsleben einbringen kann und wertgeschätzt wird. Die Partnerkirchenkonsultation findet nordkirchenweit vom 12. bis 20. September statt. Eingeladen sind Delegierte aus allen 32 Partnerkirchen und -diözesen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. In verschiedenen Kirchenkreisen tauschen sich die Gäste mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus.
Eine Klausurtagung in Breklum und ein Festgottesdienst in Hamburg bilden den Abschluss der Partnerkirchenkonsultation. Sie steht unter dem Motto "Gemeinsam den Weg der Gerechtigkeit gehen".
BU1: Dreizehn Gewerke gibt es im Eiderheim und die Besucher konnten sich überzeugen, dass bei den Mitarbeitern sitzt jeder Handgriff. BU2: Drei Tage erkunden Haupt- und Ehrenamtliche aus Altholstein und fünf Nationen, was im Norden oben auf liegt. Im Eiderheim informieren sie sich über Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderung.
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