Als gebürtiger US-Amerikaner hat Leo XIV. einen besonderen Blick auf die Politik seines Heimatlandes. Aber auch er nutzt die klassischen Wege der Diplomatie. Seinen Botschafter in Washington dürfte er bald auswechseln.
Der päpstliche Botschafter in den USA, Christophe Pierre, wird am 30. Januar 80 Jahre alt. Der französische Kardinal ist damit einer der an Lebensjahren ältesten Botschafter des Papstes weltweit.
Pierre wurde 1946 in Rennes geboren. 1970 empfing er die Priesterweihe. Im Anschluss absolvierte er die päpstliche Diplomatenakademie in Rom. Einsätze führten ihn zunächst nach Haiti, Uganda und Mexiko, bevor er 2016 nach Washington befördert wurde.
In der Kirchenpolitik von Papst Franziskus (2013-2025) war Pierre eine Schlüsselfigur. Er war entscheidend daran beteiligt, dass wichtige Bischofsstühle in den USA mit Geistlichen besetzt wurden, die im Sinne des damaligen Papstes eine offenere Linie vertraten und sich nicht als konservative “Kulturkämpfer” profiliert hatten. Im September 2023 machte ihn Franziskus zum Kardinal – was für amtierende Papst-Botschafter eine außergewöhnliche Auszeichnung ist.
Auch im Vatikan spielt der Top-Diplomat bislang eine Schlüsselrolle. So ist er Mitglied des achtköpfigen Kardinalsrats der mächtigen vatikanischen Vermögensverwaltung Apsa. Im Mai 2025 nahm er an dem Konklave teil, das den US-amerikanischen Kardinal Robert Francis Prevost zum Papst wählte.
Mit der Vollendung des 80. Lebensjahres scheint Pierres Eintritt in den Ruhestand wahrscheinlich. Papst Leo XIV. hatte Ende November in einer Ansprache an italienische Bischöfe betont, dass er Ausnahmen von der Altersgrenze für kirchliche Spitzenämter nur noch für maximal zwei Jahre gewähren will. Die Altersgrenze für Bischöfe und für Apostolische Nuntien liegt derzeit bei 75 Jahren. Der Papst hatte Pierre Anfang des Monats in Audienz empfangen.