Ärger im Landkreis Oldenburg

Ordnungsamt fragt Kirchengemeinden nach Adressen von Konfirmanden

Es gebe Hinweise, dass etliche Familien nicht bereit seien, die Corona-Regeln einzuhalten, begründet das Amt. Doch die Kirche rät, die Daten nicht herauszugeben.

Konfirmation mit Maske: Diese Jugendlichen machten es im vergangenen Jahr vorbildlich

von Jörg Nielsen

Wildeshausen/Hannover. Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen haben irritiert auf eine Anfrage des Ordnungsamtes im Landkreis Oldenburg nach Kontaktdaten von Konfirmanden reagiert. „Wir sehen derzeit weder einen Anlass noch eine rechtliche Grundlage für eine Herausgabe der Daten“, sagte der Sprecher der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Benjamin Simon-Hinkelmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Lediglich die ohnehin bereits in den Gemeindebriefen, auf den Internetseiten der Gemeinden oder in der Tagespresse veröffentlichten Namen und das Datum der Konfirmation dürften weitergegeben werden. Keinesfalls aber die Anschriften: „Dafür benötigen die Gemeinden die schriftliche Einwilligung der Eltern.“ Die Oldenburger Nordwest-Zeitung hatte zuerst über die Anfrage der Behörde berichtet.

Die Leiterin des Kreisordnungsamtes, Sonnhild Lindemann, bestätigte dem epd die Anfrage an „eine Reihe“ evangelischer, katholischer und freikirchlicher Kirchengemeinden im Landkreis. Neben den Konfirmationsterminen seien auch die Namen und Adressen der Konfirmanden erfragt worden.

Keine Ausnahmegenehmigung

„Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass etliche Familien nicht bereit sind, die Corona-Verordnungen einzuhalten“, erläuterte Lindemann. In jüngster Zeit seien „unendlich viele Anfragen“ von Familien mit der Bitte um Ausnahmegenehmigungen für die private Feier im Anschluss an den Gottesdienst eingegangen. Doch angesichts der hohen Inzidenzzahlen seien keine Ausnahmen möglich. „Wir haben die Aufgabe, die Einhaltung der Corona-Verordnung zu kontrollieren.“

Die Anfrage nach den Namen und Adressen der Konfirmanden sei ausschließlich mit dem Hintergrund erfolgt, dass das Ordnungsamt im Vorfeld über den Ort von potenziell größeren Familientreffen im Zusammenhang mit der Konfirmation informiert sein wollte, sagte die Chefin des Ordnungsamtes: „Anlassunabhängige pauschale Kontrollen an diesen Adressen sind durch den Landkreis Oldenburg nicht vorgesehen.“

„Ohne Kontrolle geht’s nicht“

Dies könne jedoch im Einzelfall bedeuten, dass Mitarbeitende des Ordnungsamtes ungewöhnlich viele Autos vor bestimmten Adressen bei der Polizei melden, sagte Lindemann. Die könne dann gegebenenfalls eine Kontrolle vornehmen. „Wir haben gelernt, ohne Kontrolle scheint es nicht zu gehen“, betonte Lindemann.

Simon-Hinkelmann zufolge ist in den fünf evangelischen Landeskirchen kein weiterer vergleichbarer Fall bekannt. Er unterstrich, dass für die Konfirmationsgottesdienste die gleichen Hygienemaßnahmen und Corona-Verordnungen wie für alle anderen Gottesdienste auch gelten: „Wir bitten zudem die Eltern, sich kundig zu machen, in welchem Rahmen die anschließenden Familienfeiern zulässig sind.“ (epd)

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