Synode

Oldenburgische Kirche setzt Sparkurs fort 

Allein bei den Pfarrstellen sollen 67 Millionen Euro eingespart werden. Auch das Jugendtagungshaus Blockhaus Ahlhorn steht vor einer ungewissen Zukunft.

Die Kirche in Oldenburg will weniger Geld investieren

von Jörg Nielsen

Rastede/Großenkneten. Das Kirchenparlament der Kirche in Oldenburg will seinen Sparkurs fortführen. Insgesamt beginne der im vergangenen Jahr beschlossenen Rahmenplan zu wirken, sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses, Manfred Pfaus, zum Abschluss der Synodentagung in Rastede bei Oldenburg.

Allein die zehn wichtigsten Punkte sollen bis 2030 zusammen 87 Prozent des 124 Millionen Euro umfassenden Sparkatalogs erbringen, sagte Pfaus. Das wären fast 108 Millionen Euro. Sechs dieser zehn Maßnahmen seien bereits durch Gesetze umgesetzt oder stünden kurz davor. Der größte davon Posten seien die Pfarrstellen. Sie sollen von jetzt 250 auf 173 Stellen in 2030 abgeschmolzen werden. Das bedeute 67 Millionen Euro weniger Ausgaben.

Emotionale Debatte

Betroffen von den Sparplänen sind auch die Tagungshäuser der oldenburgischen Kirche. Nach einer emotionalen Debatte beauftragte das Kirchenparlament den Oberkirchenrat, die Möglichkeiten einer neue Trägerschaft für das auf Dauer defizitäre Jugendtagungshaus Blockhaus Ahlhorn in Großenkneten zu prüfen. Zudem soll untersucht werden, ob mit neuen Belegungsformen ein weiterer Betrieb in eigener Regie möglich ist. Das Blockhaus erwirtschaftete trotz Millionen-Investitionen in den vergangenen Jahren ein jährliches Minus zwischen 500.000 und 600.000 Euro. Dies sei nicht mit den Sparplänen zu vereinbaren, sagte Pfaus.

Die Diskussion wurde von Protestaktionen der Evangelischen Jugend Oldenburg und der Mitarbeitervertretung begleitet. Viele Synodale fühlen sich seit ihrer Jugend dem Blockhaus eng verbunden. Die Kirche hatte das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg von der britischen Militärregierung mit der Vorgabe übernommen, dort eine neue demokratische Jugend zu erziehen. Seitdem werden dort Schulungen und Freizeiten angeboten. In den vergangenen Jahren hatte die  Kirche in Oldenburg dort rund 5,9 Millionen Euro in Gebäude und Infrastruktur investiert.

Theologische Konsequenzen

Intensiv setzten sich die Delegierten in Arbeitsgruppen auch mit den theologischen Konsequenzen des Sparkurses auseinander. Dabei sei es zu einem Perspektivwechsel gekommen, der sich in etlichen Redebeiträgen gezeigt habe, sagte Bischof Thomas Adomeit: „Wir müssen weg von der Sichtweise ‚Was brauchen wir als Kirche‘ hin zu einem ‚Was brauchen die Menschen in unserer Gemeinde von der Kirche‘.“

Weiter beauftragte die Synode Bischof Adomeit, künftig einmal im Jahr einen eigenen Bericht zur Lage der Kirche in der Gesellschaft abzugeben. Aufgrund der Kirchenordnung konnten die bisherigen Bischöfe dies nicht, erläuterte Synodenpräsidentin Sabine Blütchen. Mit der neuen Regelung solle der Bischof besser in der Lage sein, „für die Kirche Stellung zu beziehen und politische Haltung zu zeigen“, sagte Antragsteller Rüdiger Schaarschmidt.

Zur oldenburgischen Kirche zählen 116 Gemeinden zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen. Ihr gehören knapp 411.600 Mitglieder an. (epd)

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