Beliebte Jugendtagungsstätte

Oldenburgische Kirche gibt Trägerschaft für Blockhaus Ahlhorn auf

Seit mehr als 70 Jahren haben Tausende Jugendliche kirchliche Freizeiten im Blockhaus Ahlhorn erlebt. Nun beendet die Kirche dort ihr Engagement – es sei zu teuer.

Für ihre Jugendtreffen ist die Einrichtung bekannt (Archivbild)

von Jörg Nielsen

Oldenburg. Die oldenburgische Kirche zieht sich aus Kostengründen aus der Trägerschaft der beliebten Jugendtagungsstätte Blockhaus Ahlhorn zurück. Nach einer leidenschaftlichen Debatte hat die Synode für einen Ausstieg gestimmt. 38 Kirchenparlamentarier votierten für das Ende, 16 dagegen und 4 enthielten sich. Das erstmals digital tagende Kirchenparlament beauftragte die Kirchenleitung, nun die Kosten für die Schließung zu ermitteln und ein Umsetzungskonzept zu entwickeln.

Bischof Thomas Adomeit dankte für die deutliche Entscheidung. Ihm sei klar, dass viele Menschen mit dem Blockhaus Ahlhorn prägende Glaubenserfahrungen verbänden. Es werde schwer werden, der Öffentlichkeit die jetzt getroffene Entscheidung zu erläutern – „wir werden viel Gegenwind erfahren“. In den Sozialen Medien und in einer Online-Petition hatten sich viele Hundert Menschen für den Erhalt des Blockhauses eingesetzt. Für die 24 Beschäftigten sollten faire Lösungen gefunden werden, hieß es.

Antrag auf Vertagung gescheitert

Die Jugendsynodale Lisa Wraase kritisierte in der Debatte die Weichenstellung. Die Kirche betone stets, wie wichtig ihr die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei. Ahlhorn sei ein Zentrum des Glaubens, wie es kaum vergleichbare gebe. Ihr Versuch, mit einem Antrag zur Geschäftsordnung die Entscheidung zu vertagen, scheiterte. Große Unterstützung erhielt sie in den Sozialen Medien. Nach der Abstimmung sagte sie an die evangelische Jugend gerichtet: „Heute ist ein Tag zum Trauern.“ Sie appellierte auch an die Jugend, der Kirche nicht den Rücken zu kehren: „Tretet in die Kirche ein und macht sie zu eurer Kirche – so funktioniert Demokratie.“


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Der Jugendsynodale Sönke Carstens betonte, wenn die Kirche nicht weiter an Relevanz verlieren wolle, müsse sie in diesen zentralen Ort der Jugendarbeit investieren. Andere Synodale verwiesen auf die unkalkulierbar steigenden Kosten und betonten, für die Glaubensvermittlung seien Menschen wichtiger als Orte, in sie müsse investiert werden.

 

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Das Blockhaus Ahlhorn mit seinen 180 Betten hat seit vielen Jahren wirtschaftliche Probleme. Allein im laufenden Jahr sei ein Zuschuss von 886.000 Euro nötig, erläuterte Oberkirchenrat Detlef Mucks-Büker. Der Vorsitzende des Kuratoriums des Blockhauses, der Synodale Jost Richter, berichtete, es liege ein Angebot eines möglichen Nachfolgeträgers auf dem Tisch, das weiterhin kirchliche Aktivitäten in dem Blockhaus ermögliche. Zudem gibt es laut Mucks-Büker weitere Interessenten. Der von der Synode gefasste Beschluss lässt eine Kooperation mit einem Nachfolgeträger zu. Alle bisherigen Versuche, das Blockhaus wirtschaftlich zu stabilisieren, seien gescheitert, sagte Mucks-Büker.

Die Kirche hatte das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg von der britischen Militärregierung mit der Vorgabe übernommen, dort eine neue demokratische Jugend zu erziehen. Seitdem werden dort Schulungen und Freizeiten angeboten. In den vergangenen Jahren hatte die Kirche dort fast sechs Millionen Euro in Gebäude und Infrastruktur investiert. (epd)

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