Friedrich Selter ist seit einem halben Jahr Osnabrücker Regionalbischof

Oben auf der Bühne

Als "Mann im Hintergrund" hat ihn Landesbischof Meister bezeichnet. Doch als Osnabrücker Regionalbischof fühlt sich Friedrich Selter auch im Rampenlicht wohl. Eine Bilanz nach sechs Monaten.

Leidenschaftlicher E-Bass-Spieler: Regionalbischof Friedrich Selter (l.) nach einem Gottesdienst

von Sven Kriszio

Osnabrück. „Es ist schon so, dass man mich im Moment gern vorn an der Bühne sieht“, sagt Friedrich Selter. „Denn natürlich wollen die Leute wissen, was das für einer ist und wofür der steht“, so der 59-jährige Regionalbischof, der seit sechs Monaten im Amt ist. Und so sucht Selter die „Bühnen“ zwischen Bramsche und Melle, Diepholz und Syke und predigt „mit viel Freude“, wenn er zu Einführungen und Verabschiedungen gebeten wird, wie es sein Amt erfordert. Doch Selter hat auch eine ausgeprägte zweite Seite, die nur vermeintlich unscheinbar ist.

Sie wird spürbar, wenn er von der Größe der Menschen schwärmt, denen er nach seinen Predigten begegnet, wenn der Vorhang gefallen ist. Natalia Gerdes ist eine von ihnen. „Jedes Jahr hat sie ein kreatives Projekt aufgelegt“, erzählt Selter voller Begeisterung über die Leiterin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Bramsche, die er mit dem Silbernen Kronenkreuz der Diakonie ausgezeichnet hat. „Wir sprechen in der Kirche viel von Sozialraum­orientierung, aber sie praktiziert das schon lange. Das finde ich toll.“

Im Scheinwerferlicht

Als „Walking Bass“, als „Mann im Hintergrund“, hat ihn Landes­bischof Ralf Meister bei seiner Einführung als Osnabrücker Regionalbischof vor sechs Monaten bezeichnet. Doch der „Walking Bass“ kann offensichtlich beides, die Hintergrundmusik spielen und die rhythmische Linie halten, aber ebenso selbst nach vorn ins Scheinwerferlicht treten, auf die Bühnen, in den Gottesdiensten und Gesprächen danach, wenn er selbst kreativ wird und improvisiert, die musikalischen Harmonien ergänzt oder kontrastiert. „Der Vergleich aus der Musikwelt passt zu mir“, sagt Selter. „Ich stehe gern vorn, aber ich mag es auch, die Stärken von anderen Menschen zu entdecken und zum Klingen zu bringen. Dann halte ich mich auch gern im Hintergrund.“

Durch Osnabrück fährt Friedrich Selter gern mit seinem Rennrad Foto: Carsten Kalaschnikow / epd

Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass der Regionalbischof selbst leidenschaftlich gern E-Bass und Kontrabass spielt, wenn er zum Instrument greift und gelegentlich sogar in Gottesdiensten spielt, „Walking Bass“ durch und durch.

Die Aufgabe als Regionalbischof trifft diese musikalische Zuschreibung. „Ich bin als Seelsorger für die Pastorinnen und Pastoren und andere haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende da“, betont Selter, der selbst fast achtzehn Jahre lang Pastor einer Gemeinde war, bevor er für mehr als elf Jahre Superintendent in Göttingen wurde. „Meine Aufgabe ist es, die Anliegen vor Ort zu stärken und die Belange der Gemeinden und Kirchenkreise in die kirchenleitenden Gremien zu bringen.“ Im Rahmen des von der Landessynode beschlossenen Zukunftsprozesses wolle er ein besonderes Augenmerk darauf richten, mit welchen Instrumenten die Kirchenkreise ihre eigenen Zukunftsprozesse planen. Diese stünden unter dem Druck von Einsparvorgaben. Es gehe aber auf allen Ebenen auch darum, Kirche zukunftsfähig und einladend zu gestalten, so der Regionalbischof.

Große Offenheit erlebt

Corona hat es dem Regional­bischof anfangs nicht leicht gemacht. Mittlerweile habe er jedoch viele Vertreter aus Politik, Universität, Hochschule und Gesellschaft gesprochen, darunter den Oberbürgermeister von Osnabrück. „Ich habe eine große Offenheit erlebt“, fasst Selter zusammen. „Es gibt großes Interesse an Kirche, aber auch hohe Erwartungen, dass wir verlässliche Partner bleiben.“ So zum Beispiel in der Notfallseelsorge. „Wir müssen an der Seite der Bedürftigen stehen.“

Wichtig sei ihm das Miteinander der Religionen, betont Selter. „Mir liegt die Ökumene sehr am Herzen.“ So habe er am Pontifikalamt zum dreißigsten Jubiläum der Bischofsweihe von Bischof Bode teilgenommen. Das sei ein „sehr festlicher Gottesdienst“ gewesen. Auch das Gedenken der Corona-Toten Mitte April, bei dem die Vertreter der Religionen „sehr einmütig gesprochen haben“, sei sehr bewegend gewesen. „Die Verbundenheit war spürbar.“ So freue er sich, wenn in der Friedensstadt Osnabrück künftig „Feste der Religionen“ gefeiert werden.

Wie geht es weiter mit der Kirche?

Im Oktober steht der Generalkonvent an, die Versammlung aller Pastoren im Sprengel. Wie es mit der Kirche nach Corona weitergeht, stehe thematisch im Mittelpunkt, kündigt Selter an. Es gehe auch um die Belastungen, denen die Geistlichen ausgesetzt waren, und die Veränderungen für den Pfarrberuf. „Was in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen entwickelt worden ist an alternativen Formaten, um Gemeindeglieder in ihren Häusern mit der guten Botschaft von der Liebe Gottes zu erreichen, ist wirklich bewundernswert.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren