NS-Geschichte Bertelsmanns digital veröffentlicht

Ein Forschungsbericht über die Geschichte Bertelsmanns zur NS-Zeit ist im Internet frei zugänglich. Die Untersuchung der Unabhängigen Historischen Kommission ist über eine neue Themenseite im Internetauftritt abrufbar, teilte Bertelsmann am Mittwoch in Gütersloh mit. Die damalige Bertelsmann AG hatte den Angaben zufolge Anfang 1999 ein Gremium von Wissenschaftlern unter Vorsitz des israelischen Historikers Saul Friedländer beauftragt, diesen Teil ihrer Geschichte zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden zunächst 2002 in Buchform veröffentlicht.

Bertelsmann habe mit diesem Vorgehen die bis dahin lückenhafte und irreführende Darstellung seiner eigenen Geschichte korrigiert, teilte das Unternehmen mit. Unternehmensführung wie Eigentümerfamilie hätten den Bericht der Kommission uneingeschränkt als offizielle Darstellung der Unternehmensgeschichte im Nationalsozialismus akzeptiert.

Nach Erkenntnissen der Historiker waren in Texten des belletristischen und theologischen Verlagsprogramms antisemitische Stereotype und Polemik zu finden. Kriegsbücher hätten aus der Militarisierung der Gesellschaft Profit gezogen und diese gefördert, hieß es. Eine Jugendheftreihe „Spannende Geschichten“ habe sich zudem mit Millionenauflagen in den Dienst der Kriegspropaganda gestellt. Das damalige theologische und erbauliche Verlagsprogramm habe sich in der Debatte um das „wahre Christentum“ mit der NS-Weltanschauung teilweise kritisch auseinandergesetzt, teils aber auch obrigkeitsfromm für sie Partei ergriffen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bertelsmann dem Forschungsbericht zufolge mit 19 Millionen Exemplaren zum größten Buchproduzenten für die Wehrmacht. Am Stammsitz in Gütersloh seien zwar keine Zwangsarbeiter eingesetzt worden. In Druckereien in Wilna und möglicherweise Riga, die einige Aufträge für Bertelsmann ausführten, hat es dem Bericht zufolge hingegen jüdische Zwangsarbeiter gegeben.

Die Legende, der „C. Bertelsmann Verlag“ sei als „Widerstandsverlag“ geschlossen worden, war nach Einschätzung der Historiker nicht aufrechtzuerhalten. Diese habe dazu gedient, ab 1945 von den Besatzungsbehörden möglichst bald eine neue Verlagslizenz zu erhalten. Der Verlag sei hauptsächlich kriegsbedingt geschlossen worden.

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