In Düsseldorf haben der Landtag von Nordrhein-Westfalen und die Landesregierung am Dienstag in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die Feier stand in diesem Jahr zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 besonders im Zeichen des Erinnerns an die Verfolgung und Ermordung sexueller Minderheiten durch das nationalsozialistische Regime, wie Landesregierung und Landtag erklärten.
An der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal nahmen Abgeordnete aller Fraktionen, Mitglieder der Landesregierung und die Antisemitismusbeauftragte von NRW, Sylvia Löhrmann, teil. Unter den Gästen befanden sich Vertreter der jüdischen Landesverbände, der Kirchen, des Queeren Netzwerks NRW, des „LSVD-Verbands Queere Vielfalt NRW“, von Opferverbänden sowie Schüler des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums aus Ratingen und der Rudolf-Steiner-Schule Wuppertal.
Der Präsident des Landtags, André Kuper (CDU), erklärte, der 27. Januar erinnere an den „dunklen Abgrund, in den Menschenhass und ideologische Verblendung geführt haben: den Zivilisationsbruch der Schoa und die Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden“. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte es eine bleibende Aufgabe, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus auch nach mehr als 80 Jahren wachzuhalten. Dazu gehöre, auch an Menschen zu erinnern, die etwa wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. NRW sei heute Heimat der größten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. „Das ist ein Geschenk und zugleich ein Auftrag, jüdisches Leben zu schützen.“
Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, betonte die Verdienste Überlebender. Dass die demokratische Erneuerung Deutschlands nach dem Menschheitsverbrechen der Schoa habe gelingen können, sei vor allem ihnen zu verdanken. „Lassen Sie uns dieses Erbe ehren, indem wir keinen Schlussstrich ziehen.“
Martin Lücke von der Freien Universität Berlin unterstrich, dass viele Menschen der sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten im Nationalsozialismus im Nationalsozialismus totgeschlagen worden seien. Und für queere Menschen habe es mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 keine „Stunde null“ gegeben. Zu Beginn der 1950er Jahre habe sich ihre Verfolgung in der jungen Bundesrepublik fortgesetzt, „getragen von alten Denkweisen“.