Synode

Nordkirche will noch mehr fürs Klima tun

Co2 neutral bis 2050 – das ist das Ziel der Nordkirche. Dafür müsse sich die Kirche noch mächtig strecken, heißt es auf der Synode. Besonders historische Gebäude sind ein Problem.

von Klaus Merhof

Lübeck-Travemünde. Als erste evangelische Landeskirche hatte die Nordkirche 2015 ein Klimaschutzgesetz beschlossen. Erklärtes Ziel ist, bis 2050 klimaneutral aufgestellt sein zu wollen, das heißt vor allem: frei von CO2-Emissionen. Auf dem Weg dorthin sei „viel passiert“, berichtete jetzt Bernhard Schick, bislang Mitglied der Kirchenleitung, vor der in Lübeck-Travemünde tagenden Synode der Nordkirche. Er lobte vielerlei konkrete Maßnahmen und Initiativen, stellte jedoch fest: „Wenn wir nicht erheblich mehr unternehmen, schaffen wir es bis 2050 nicht.“

Es gebe allerdings eine „sehr ausgeprägte Bereitschaft“, auf allen kirchlichen Ebenen Mittel für den Klimaschutz bereitzustellen, sagte Schick. In allen Kirchenkreisen seien die Bereiche Energie, Beschaffung und Mobilität angegangen worden. Dazu gehöre auch, unnötigen Energiebedarf zu vermeiden, Technik effizient einzusetzen und den verbleibenden Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen zu decken.

Kirchenkreise holen Klimaschutzmanager

Landeskirche und Kirchenkreise verpflichteten sich mit dem Klimaschutzgesetz, jeweils mindestens 0,8 Prozent der jährlichen Zuweisung an Kirchensteuermitteln für Klimaschutzmaßnahmen aufzuwenden. In der gesamten Nordkirche seien dies 2017 rund drei Millionen Euro gewesen, so der Bericht. Damit seien zum Beispiel Pastorate und Gemeindehäuser energetisch optimiert worden, indem Gebäudehüllen gedämmt und neue Fenster und Türen eingebaut wurden.

Bernhard Schick Foto: John Garve / Nordkirche

Bislang haben 11 von 13 Kirchenkreisen eigene Klimaschutzmanager eingestellt, und immer mehr Gemeinden beteiligten sich an der 2017 gestarteten Aktion „Ökofaire Gemeinde“. Deren Ziel sei es, CO2 und Ressourcen einzusparen sowie auf nachhaltige Beschaffung umzusteigen.

Dem Klimaschutzbüro in der Arbeitsstelle „Ökumene und Gesellschaft“ sei es gelungen, im gesamten Gebiet der Nordkirche Projekte anzustoßen und zu begleiten, so Schick. Dort seien auch Handreichungen entwickelt worden zu ganz praktischen Dingen wie energie-effizientes Heizen und Lüften oder für den Einsatz sparsamerer LED-Leuchtkörper. Im Klimaschutzbüro arbeite auch der Umweltbeauftragte der Nordkirche, Pastor Jan Christensen. Darüber hinaus bringe die seit fast 15 Jahren bestehende Infostelle Klimagerechtigkeit im Zentrum für Mission und Ökumene ihr Wissen ein, führe Fortbildungen durch und engagiere sich in der Lobbyarbeit.

Alte Kirchen mit hohem Energieverbrauch

Eine besondere Herausforderung stellen Schick zufolge historische Kirchen, Pastorate und andere Gebäude dar, die häufig den größten Energieverbrauch aufweisen. Schon bei der ersten Formulierung der Klimaschutziele 2015 sei klar gewesen, dass bauliche Maßnahmen etwa 80 Prozent der Klimaschutzziele ausmachen würden, Fragen der Mobilität oder der Beschaffung von Gebrauchsmitteln dagegen nur 20 Prozent. Wenn der Denkmalschutz gegen den Klimaschutz stehe, erfordere dies „noch viel mehr Nachdenken“, sagte Schick.

Nahezu alle Kirchenkreise der Nordkirche sind dem Bericht zufolge inzwischen auf Ökostrom umgestiegen. Die meisten beziehen mehr als 75 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien, der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde sogar zu 100 Prozent. Bereits im Februar 2020 sollen der Nordkirchen-Synode neue Daten zum Klimaschutz vorgelegt werden. Andreas Tietze, Grünen-Politiker und Ex-Synodenpräses der Nordkirche, forderte mehr Tempo für den Klimaschutz: „Wir müssen raus aus unserer Bequemlichkeit“, sagte er: „Die jungen Menschen der Freitagsdemonstrationen mache es uns vor.“ (epd)

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