Hoffnung sei das beste Heilmittel: Die Kirchen setzen zum neuen Jahr ein Zeichen gegen Resignation. In ihren Predigten erinnern Papst und Bischöfe an die zahlreichen Konflikte der Welt – und machen dennoch Mut.
Die christlichen Kirchen haben zum Jahreswechsel vor wachsender Polarisierung gewarnt und zu Gemeinsinn und Verantwortungsbereitschaft aufgerufen. Bei allen Krisen sehen sie auch Anlass für Hoffnung und Zuversicht.
warb für eine umfassende Haltung der Friedfertigkeit. Die Welt werde nicht durch Waffen oder durch “das Verurteilen, Unterdrücken oder Eliminieren von Brüdern und Schwestern” gerettet, betonte er bei einem Gottesdienst im Petersdom aus Anlass des katholischen Weltfriedenstages. Sie werde vielmehr gerettet “durch das unermüdliche Bemühen, zu verstehen, zu vergeben, zu befreien und alle anzunehmen, ohne Berechnung und ohne Angst”.
Am Silvesterabend hatte der Papst die Pläne der Großmächte zur Aufteilung der Welt nach ihren Interessen kritisiert. Die heute weltweit dominierenden Pläne seien “Strategien, die darauf abzielen, Märkte, Gebiete und Einflussbereiche zu erobern. Bewaffnete Strategien, die sich in heuchlerische Reden verhüllen, in ideologische Parolen und in falsche religiöse Beweggründe”.
Zu einem bewussten Perspektivwechsel ermutigte der . “Fehlt es eigentlich an guten Nachrichten – oder erzählen wir zu wenig davon?”, fragte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in seiner Silvesterpredigt im Frankfurter Sankt-Bartholomäus-Dom. Hoffnung entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen und auf die Gnade Gottes vertrauten.
Viele Menschen schauten keine Nachrichten mehr – nicht aus Desinteresse, sondern weil es sie zu traurig mache. Deshalb brauche es Erzählungen, die Mut machten. Unkontrollierte Mediennutzung könne insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen. Zugleich könne Langeweile zur “Mutter der Kreativität” werden, betonte Bätzing. Es lohne sich daher, Kindern und Jugendlichen Freiräume zuzutrauen.
Der übte scharfe Kritik am Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. “Was für eine Schande, was für eine Blasphemie, dass sich getaufte Christen gegenseitig umbringen”, sagte er laut Mitteilung an Silvester in der Münchner Jesuitenkirche. Zum neuen Jahr warb Marx dennoch um Zuversicht: “Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu.” Niemand könne die Hoffnung zerstören, dass Jesus Christus am Ende das letzte Wort habe. Die Welt brauche das christliche Zeugnis: “Was immer an der Seite Jesu geschehen kann, das bringen wir als Kirche ein.”
Der warnte vor einer weiteren Entchristlichung der Gesellschaft. “Das Christentum ist ein Randphänomen geworden”, so Woelki in seiner Silvesterpredigt laut Manuskript. Es habe seine zivilisatorische Kraft, auf der das kulturelle und soziopolitische Gefüge Europas aufgebaut sei, fast ganz verloren. Eine rein säkulare Weltdeutung reiche jedoch nicht aus, um dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und Halt zu entsprechen.
Der Verlust des Glaubens betrifft laut dem Kölner Erzbischof das gesamte öffentliche Leben – von der Kunst und der Kultur über die Wirtschaft bis hin zum Journalismus. “Selbst im Leben vieler Kirchenmitglieder spielt der Glaube – so wie die Kirche ihn verkündigt und bezeugt – nur noch eine sehr geringe oder gar keine Rolle mehr.” Säkularisierung bezeichnete der Kardinal nicht als grundsätzlich negativ. Eine maßvolle Entflechtung von Religion und öffentlichem Leben könne im Gegenteil Chancen mit sich bringen. Problematisch sei aber eine völlige Abkehr vom Glauben. Eine Welt ohne Gott werde schnell unmenschlich.
Der warnte vor einfachen Lösungen für komplexe Krisen und vor einer zunehmenden Polarisierung in Politik, Gesellschaft und Kirche. “Es ist immer schon eine große Versuchung gewesen, dass, wenn Menschen Angst haben, diese sich an einfache Parolen klammern”, so der Ruhrbischof laut Redemanuskript. “So wird halt bekannterweise behauptet: Wir müssen uns nur abschotten und die eigenen Interessen an die erste Stelle setzen, dann würden die Schwierigkeiten schon schwinden. Solche Vereinfachungen bieten keine nachhaltigen und gerechten Lösungen. Sie verstellen den Blick auf die vielschichtigen Ursachen der Krisen.”
Aufgabe der Kirche ist es dagegen laut Overbeck, Brücken zu bauen. “Christsein bedeutet, auf Ausgleich und Versöhnung zu setzen, Menschen in all ihrer Vielfalt miteinander zu verbinden und die Freiheit und die Demokratie zu stärken, die von Ausgewogenheit der Interessen und vom Kompromiss lebt.” Auch innerkirchlich mahnte der Bischof einen respektvollen Umgang an.
Die warnte vor Überforderung in Krisenzeiten und beschwor den Zauber des Neuanfangs. Trotz zahlreicher Kriege, gesellschaftlicher Polarisierungen und persönlicher Sorgen gebe es überall Zeichen von Mitmenschlichkeit und Hoffnung, sagte sie. Gott habe die Welt als einen friedlichen Ort mit liebesfähigen und klugen Menschen geschaffen. Damit lasse sich auch die Zukunft gestalten. Dabei müssten die Menschen nicht alles selbst machen: “Unsere Kräfte sind endlich. Deshalb heißt es: Ich, Gott, mache alles neu.” Diese Zusage bewahre vor Dauerstress und Überforderung. Gefragt seien stattdessen besonnene Gelassenheit, Aufmerksamkeit füreinander und der Mut, dem Guten Raum zu geben.
Der kritisierte die politische Debattenkultur. Um Begriffe wie “Brandmauer” oder “Stadtbild” sei zuletzt ein Getöse entstanden, während tragfähige Lösungen zunehmend schwerer fielen, so Dieser in seiner Silvesterpredigt. “Eine zielsichere Lösung der umstrittenen Themen aber fällt denen, die eine gemeinsame Mehrheit haben, immer schwerer.”
Auch die Diskussionen um das sogenannte Rentenpaket bewertete der Bischof skeptisch. Wenn Alt und Jung gegeneinander ausgespielt würden, schade das dem sozialen Frieden. “Die Politik muss, so meine ich, die Jungen mehr als bisher hören und in die Mitgestaltung der Gegenwart einbeziehen”, forderte Dieser. Der Geistliche rief dazu auf, Polarisierung und Sprachlosigkeit zu überwinden. Die Kraft dazu könne aus dem Glauben kommen, der Menschen auch in Krisen trage.
Die Hoffnung als christliche Grundhaltung braucht es laut dem im neuen Jahr ganz besonders. Er pochte zudem auf Solidarität mit jüdischen Gemeinden. “Wir haben eine gemeinsame Wurzel, die uns trägt und aus der Christus hervorgegangen ist”, erklärte Burger laut Mitteilung. “Gerade in dieser Zeit, in der sich manche verstärkt von antisemitischem Gedankengut beeinflussen lassen, ist unsere Solidarität mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern umso dringlicher und notwendig.” Die politischen Fliehkräfte in der Gesellschaft würden immer stärker, auch etwa bezüglich Klimawandel und demografischer Entwicklung.
Der ging auf die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI) ein. Auch Christen könnten diese nutzen. Aber sie sollten sich nicht in Hass und Hetze hineinziehen lassen und der Illusion hingeben, “dass sich im Internet alle Bedürfnisse unseres Lebens stillen lassen”. Am Ende bleibe bloße Information, aber nie Weisheit, die durch Erfahrung, Einübung von Vertrauen und Liebe entstehe. Oster zeigte sich überzeugt, dass es künftig eine der großen Aufgaben der Kirche sein werde, so etwas wie die Hüterin der unersetzbaren Kostbarkeit der menschlichen Person, der menschlichen Kreativität und vor allem des menschlichen Herzens zu sein.
Der bezeichnete den christlichen Glauben als das beste Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze. Im Jahr 2025 seien viele Dinge passiert, die Anlass zur Hoffnungslosigkeit gegeben hätten. Doch die christliche Hoffnung sei keine billige Vertröstung, weil sie ihren Ursprung in Gott habe. Es sei wichtig, den Glauben weiterzugeben, “weil er uns in einer zunehmend maßlos werdenden Welt einen Maßstab an die Hand gibt”, mahnte Gössl. Dafür sei jeder einzelne Christ wichtig.
Der wandte sich gegen einen Rückzug ins Private und gegen Nationalismus. “Polarisierungen in unserem Land und weltweit haben zugenommen. Wir erleben massive Prozesse der Entsolidarisierung”, sagte er im Fuldaer Dom. Er verwies auf den Rückgang der Entwicklungshilfe und auf das Infragestellen von internationalen Vereinbarungen und Partnerschaften.
“Angesichts der vielen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen scheint die Menschheit insgesamt in eine große Stress-Situation gekommen zu sein”, sagte der Bischof. In solchen Krisensituationen entstünden leicht Abwehrreaktionen. Gerade heute sei diese Dynamik jedoch fatal, betonte Gerber: “Die großen sozialen, ökonomischen und ökologischen Fragen lassen sich heute nur aus einer globalen Perspektive lösen.” Nationale Lösungen griffen zu kurz. Der Bischof betonte, die biblischen Texte riefen zu einem Perspektivwechsel auf, um auch die Situation des Gegenübers zu bedenken. “Unser Gott ist auch der Gott der anderen Völker, unser Gott ist auch der Gott, der für die anderen Völker sorgt”, sagte Gerber.
Zur Überwindung von Hass und Verachtung im gesellschaftlichen Dialog rief der auf. “Hass und Verachtung zersetzen die Seele. Schon aus Selbstliebe sollte man die zerstörerische Saat von Hass und Verachtung nicht in sich wirken lassen”, sagte Kohlgraf. Ihn erfülle mit Sorge, dass in Deutschland Hassbotschaften zunähmen. Geäußert würden sie keineswegs nur von Menschen, die gesellschaftlich abgehängt sind. “Vielen geht es gut, und sie leben dennoch ihren Hass und ihre Verachtung gegenüber anderen aus”, kritisierte der Bischof. Kohlgraf rief zum Jahreswechsel dazu auf, den Blick dennoch auf “das viele Gute und die Dankbarkeit” zu richten. “Hass und Groll will ich nicht ins neue Jahr mitnehmen, denn sie vergiften alles.”
Der ermutigte zu Zuversicht, Offenheit und gesellschaftlichem Engagement. Christinnen und Christen sollten sich nicht in Nostalgie oder Resignation verlieren, sondern mutig nach vorn schauen und Verantwortung für Kirche und Gesellschaft übernehmen. Als “Pilger der Hoffnung” zeichneten sie sich unter anderem dadurch aus, dass sie solidarisch handelten, Not nicht verdrängten, Extremismus ablehnten und sich für Demokratie, Freiheit und den Schutz der Schöpfung einsetzten. Christlicher Glaube dürfe nicht zur Abwertung anderer instrumentalisiert werden, betonte er. Vielmehr gehe es um Verständigung, Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen sowie um den Einsatz für ein friedliches Miteinander.
Der riet, sich nicht auffressen zu lassen von Zeitdruck, sondern günstige Gelegenheiten “am Schopf zu packen” und diese sinnvoll zu nutzen – auch in Bezug auf das eigene Verhältnis zu Gott. Selbst eine Operation, wie er sie im vergangenen Jahr erlebt habe, könne ein solcher “Kairos” sein. Für gewisse Zeit aus dem Spiel genommen zu werden, heiße, dass anderes in den Vordergrund rücke wie Gebet, Glaube, Gottvertrauen. “In dieser Zeit habe ich auch erlebt, was Anteilnahme und Begleitung bedeuten”, bekannte der Bischof und bedankte sich eigens bei den Menschen, die ihm diese erwiesen hätten.
Der betonte, es gebe echte Entwicklung: “Als Christen gehen wir einem Ziel entgegen.” Gott ermögliche Neues, auch Neuanfänge: “Es kommt wirklich Neues in die Welt”, sagte Bentz laut Mitteilung in der Jahresabschlussmesse im Paderborner Dom. Das bedeute Ermutigung und Hoffnung.
Auf die christliche Hoffnung verwies auch der . Diese richte sich nicht auf Dinge, Ereignisse oder Zukunftsszenarien, sondern auf Gott selbst. Wie der Glaube sei die Hoffnung personal ausgerichtet. Sie bedeute weder Vertröstung noch Ablenkung vom gegenwärtigen Leben, sondern sei tragende Kraft der christlichen Existenz.
Der Übergangsverwalter des , rief zu mehr Gemeinsinn und Verantwortungsbereitschaft auf. “Wir brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen für das Wohl aller”, so der Diözesanadministrator. Er würdigte Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich im staatlichen oder kirchlichen Bereich engagieren. Kommunen und Pfarreien seien auf dieses Engagement angewiesen. Sein Dank gelte auch allen, “die klug und besonnen handeln, die sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, die couragiert Stellung beziehen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, die mäßigend auf Auseinandersetzungen einwirken und die sich für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen einsetzen.”
Der sprach laut Mitteilung des Bistums ebenfalls von bewegten Zeiten. Er warnte jedoch davor, den Mut zu verlieren: “Es hilft nicht weiter, zu jammern und zu klagen, weil die Zeit schwierig ist und wir verschiedene Rückgänge zu verkraften haben.” Man müsse die Situation ernst nehmen, dürfe sich aber nicht von der aktuellen Lage runterziehen lassen. Dabei könne auch das Vertrauen auf Gott helfen.