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Museum Textilfabrik Cromford schließt wegen Umbau

In Ratingen wird das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford ab dem 1. April für die Dauer eines Jahres schließen. Grund sind Umbaumaßnahmen, wie der Landschaftsverband Rheinland (LVR) am Montag als Träger des Industriedenkmals und Museums ankündigte. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sei Europas älteste Fabrik. Es werde barrierefrei umgebaut und die Dauerausstellung erneuert. Das benachbarte Herrenhaus bleibt geöffnet, präsentiert Teile der Dauerausstellung und demonstriert historische Spinntechniken. Die Höhe des Eintrittspreises könnten die Besucher während der Umbaumaßnahmen selbst bestimmen, hieß es.

Im benachbarten Herrenhaus am Museumsstandort werde während der Schließung des Fabrikgebäudes der protoindustrielle Spinnprozess aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vorgeführt, also aus der Zeit, bevor die vollmechanischen Maschinen in Cromford Einzug hielten, erläuterte das Museum. Das große Handspinnrad für die Herstellung von Baumwollgarn werde ebenso vorgeführt wie die noch manuell betriebene „Spinning Jenny“, eine Maschine, die bis zu 100 Fäden gleichzeitig spinnen konnte.

Die Baumaßnahmen in der sogenannten Hohen Fabrik werden im Rahmen eines Konzeptes zum barrierearmen Ausbau der historischen Gebäude umgesetzt. Ein Außenaufzug an der Rückseite der Fabrik, der auch im Brandfall nutzbar ist, ermöglicht eine barrierefreie Evakuierung des Gebäudes, wie das Museum die Planungen erläuterte. Zudem werde dank des Aufzugs die gesamte Fabrik bis ins Dachgeschoss barrierefrei zugänglich. Im Zuge der Baumaßnahmen werden außerdem Kassenbereich, Shop und Sanitäranlagen barrierefrei umgebaut. Das Museumsteam wird die mittlerweile fast 30 Jahre alte Dauerausstellung überarbeiten und zur Wiedereröffnung präsentieren.

Die Baumwollspinnerei wurde 1783/84 von dem Wuppertaler Kaufmann und Unternehmer Johann Gottfried Brügelmann gegründet und gilt heute als erste vollmechanische Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent. Brügelmann, der einer Elberfelder Kaufmannsfamilie entstammte, hatte zuvor von einer patentierten und geschützten Erfindung der sogenannten Waterframes durch den Engländer Richard Arkwright im mittelenglischen Dorf Cromford erfahren. Möglicherweise hatte sich Brügelmann selbst - getarnt als Arbeiter in der Fabrik Arkwrigths - Wissen über den Aufbau und Antrieb der Maschinen beschafft, um diese nachzubauen.

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