Artikel teilen:

Museen in SH: Von “Blomentüddel” bis Buddenbrooks

Die Museumsinsel in Schleswig versinkt im Blütenmeer, Lübeck feiert das nächste Thomas-Mann-Jubiläum und auf der Nordseeinsel Föhr haben kleine Inseln ihren großen Auftritt: 2026 laden die Museen in Schleswig-Holstein zu einem breiten Programm ein.

Auch wenn das Schloss Gottorf in Schleswig derzeit wegen Sanierung der Dauerausstellung geschlossen ist, bleibt die Museumsinsel geöffnet. Im April verwandelt sich die Reithalle in ein Meer aus 750.000 getrockneten Blumen der britischen Künstlerin Rebecca Louise Law. Auch im Betsaal des Jüdischen Museums Rendsburg und im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel werden ihre Werke gezeigt. Ihre Schau „State of Nature“ wurde von den Landesmuseen zwei Jahre lang vorbereitet. Zum Teil wirkten sogar Menschen aus der Region in sogenannten „Blomentüddel-Clubs“ an der Blütenkunst mit.

Lübeck feiert derweil erneut einen seiner berühmtesten Söhne: Nach dem 150. Geburtstag von Thomas Mann (1875-1955) im Jahr 2025 ist nun sein erfolgreicher Debütroman dran: Das Werk „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“ wurde vor 125 Jahren veröffentlicht. Weil das Buddenbrookhaus wegen Sanierung weiterhin geschlossen bleibt, verlegen die Lübecker Museen die Geburtstagsparty wieder ins St. Annen-Museum. Dem Roman wird ab 30. Oktober die Ausstellung „Family Affairs. 125 Jahre Buddenbrooks“ gewidmet. In sechs Stationen zeigt die Schau, welche Glieder Familien zusammenhalten und welche Konflikte familiäre Bande zum Zerreißen bringen können.

Kunst aus dem Bilderbuch erwartet die Besucher buchstäblich im Lübecker Günter-Grass-Haus. Mit der Ausstellung „Helme Heine – Es war einmal …“ widmet sich das Museum dem kürzlich verstorbenen Künstler Helme Heine (1941-2025). Die Ausstellung präsentiert neben den Illustrationen aus Bilderbuchklassikern rund um die drei tierischen „Freunde“ auch aktuelle Werke, die sich humorvoll mit zentralen Themen wie Klimawandel, Flucht und Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzen.

„Inselhopping“ steht ab 22. Februar im Museum Kunst der Westküste auf dem Programm. 90 Gemälde, Ölstudien, Pastelle und Fotografien etwa von Max Clarenbach, Otto H. Engel und Elisabeth Krüger zeigen künstlerische Perspektiven auf die Nordseeinseln Föhr, Amrum, Sylt und Helgoland. Die Sommerausstellung „Moderne trifft Küste – Künstlerische Aufbrüche im Norden“ beleuchtet ab 21. Juni schlaglichtartig Orte, an denen sich die Moderne und das Meer begegneten. Unter anderem werden Werke von Max Beckmann, Jacoba van Heemskerck und Edvard Munch gezeigt.

Auf die Kunsthalle zu Kiel müssen Kulturinteressierte weiterhin verzichten. Immerhin sei die Freigabe der Haushaltsmittel für die Sanierung nun erfolgt und ein Beginn der Maßnahmen im Frühjahr 2026 geplant, wie die Kunsthalle auf Nachfrage mitteilte.

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck nimmt mit seiner Sonderausstellung „Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit“ ab 18. Mai ein bedeutendes Jahr der Lübecker Geschichte in den Fokus. 1226 wurde Lübeck zur freien Reichsstadt erhoben, was die Stadtentwicklung über Jahrhunderte hinweg prägte.

Mit der Sonderausstellung „Let’s play Mittelalter“ ab 9. Oktober nimmt das Hansemuseum eine neue Zielgruppe ins Visier: Ein Teil des Lübecker Burgklosters soll sich in eine begehbare, mittelalterliche digitale Spiele-Welt verwanden. Das Team will damit die einflussreiche Gaming-Szene zur Geschichtsvermittlung nutzen. Eine neue Kulturform, die künftig Schule machen könnte.