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Militärbischof Felmberg: Armee der Zukunft braucht mehr Seelsorge

Viele Waffen, wenig Beistand? Die Bundeswehr wächst und soll bis 2030 noch deutlich weiterwachsen. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Studie mahnt der evangelische Militärbischof dazu, auch die Seelsorge aufzustocken.

Eine wachsende Bundeswehr braucht nach Ansicht des evangelischen Militärbischofs auch eine stärkere Militärseelsorge. “Es wäre fahrlässig, geradezu verantwortungslos, den Faktor Seelsorge stagnieren zu lassen”, sagte Bischof Bernhard Felmberg am Dienstag in Berlin. Schon jetzt leiste die Militärseelsorge aufgrund der Personaldichte oftmals eher Hilfe in “homöopathischer Dosis”. Laut einer repräsentativen Umfrage wünschen sich derzeit rund 40 Prozent der Soldaten mehr Seelsorger.

Sollte die Bundeswehr wie geplant auf rund 260.000 Soldaten im Jahr 2030 anwachsen, müssen laut Felmberg allein im evangelischen Bereich zu den aktuell knapp über 100 Seelsorgern rund 44 Planstellen hinzukommen – nur um das Versorgungsniveau zu halten.

Felmberg äußerte sich bei einer Buchvorstellung zur Studie “Was kann und was leistet Militärseelsorge”. Grundlage dieser Veröffentlichung ist eine Befragung unter rund 7.000 Soldatinnen und Soldaten. Laut Studie befürworten 91 Prozent von ihnen die Militärseelsorge im Grundbetrieb, im Auslandseinsatz sogar 95 Prozent. Ebenfalls 95 Prozent schätzten die Verschwiegenheit der Seelsorger nach Gesprächen. Den lebenskundlichen Unterricht, den die Seelsorger anbieten, halten 77 Prozent für wichtig, wobei Seminare mit Übernachtung die höchste Zufriedenheit (86 Prozent) erzielen.

Für Felmberg seien diese Zustimmungswerte kein Grund, sich zurückzulehnen – vor allem nicht in Zeiten, in denen sich die Bundeswehr auf mögliche Konflikte in der Zukunft vorbereite. “Wir müssen Antworten finden auf die Fragen, die sich uns stellen”, so der Militärbischof. Dazu zählten etwa die Begleitung von Verwundeten, der Umgang mit Gefallenen und deren Angehörigen oder die moralische Unterstützung und ethische Bildung der Soldaten.