Durch den Advent

Menschen sind froh, dass etwas stattfindet

Konzerte, Kaffee, Krippenspiel: Der Gemeindekalender ist prall gefüllt. Aber verläuft alles nach Plan im Pandemie-Advent 2021? Wir begleiten Pastor Grimbo aus der Kirchengemeinde Oldesloe.

„So lange wir kurz vorher Bescheid wissen, bekommen wir das alles hin“, sagt Pastor Felix Grimbo über die kommende Adventszeit.

von Johanna Tyrell

Bad Oldesloe. Wer Felix Grimbo Mitte November fragt, ob er schon in Adventsstimmung sei, erhält ein amüsiertes Lachen. Zwei Synoden, der Finanzausschuss und eine Menge Organisation stehen noch auf seiner To-do-Liste. Felix Grimbo ist einer von sechs Pastoren im Pfarrteam der Oldesloer Kirchengemeinde.

Trotz steigender Inzidenzen: Die Adventszeit ist dennoch schon geplant – die zweite in der Corona-Pandemie. „Man versucht ja immer zu ahnen, was kommt“, sagt Grimbo. Und noch läuft alles seinen Gang. Konfirmanden, Senioren und Jugendliche treffen sich, Chöre und Musikgruppen proben. Alles normal so weit. „Wir planen auch die kommenden Wochen noch normal – nur eben mit Hygienemaßnahmen.“ An diesem Wochenende stehen noch die beiden Gospelnächte mit der Soulsängern France B. und mehr als 70 jungen Sängerinnen und Sängern an. Die 51. ist es inzwischen.

Immer neue Hygienekonzepte

„Es ist natürlich wieder diese Situation, dass niemand weiß, was in den nächsten Wochen kommt, aber ich bin zuversichtlich“, sagt Grimbo. Er selbst ist im Laufe der Corona-Pandemie Vater geworden. „Für mich ist sowieso alles anders.“ Man sei flexibel geworden. Und erfinderisch. Seit dem Frühjahr hat die Gemeinde technisch aufgerüstet. Gottesdienste übertragen geht so noch einfacher. „Anfangs haben wir das Lan-Kabel vom Kirchenbüro über die Bäume bis in die Kirche gespannt“, erinnert Grimbo sich und lacht. Inzwischen gibt es einen Internetanschluss direkt­ im Gotteshaus und neues Kameraequipment. Durchschnittlich 20 Menschen sehen sich die Gottesdienste live an. Manche seien bett­lägerig, anderen erlaube die Corona-Situation keinen Besuch.

„Wir haben Abstandshalter bei Gottesdiensten eingesetzt, Personen erfasst, 3G angewendet, kostenlose Tests zur Verfügung gestellt, live oder aufgezeichnet Gottesdienste ins Internet gestellt“, sagt er. Anfangs seien viele Entscheidungen recht paternalistisch gefällt worden. „Davon sind wir abgerückt. Ich habe in Gesprächen gemerkt, dass die Menschen das durchaus für sich selbst entscheiden können, ob sie kommen wollen oder nicht. Auch noch mit 90 Jahren.“

Und es ist einiges geplant: Der Schulgottesdienst am 22. Dezember. Die Verteilung des Friedenslichtes zusammen mit der katholischen Vicelin­gemeinde auf dem Marktplatz. Am 23. Dezember das Einsingen der Weihnacht vor der Kirche mit der Generalprobe des Krippenspiels. Eigentlich eine kommunale Veranstaltung, denn „theologisch gesehen ist das ja eher der Vor-Vor-Abend der Weihnacht“, klärt Grimbo.

Und dann sind da noch die Weihnachtsgottesdienste

In Jahren ohne coronabedingte Einschränkungen kommen bis zu 800 Menschen. In einen Gottesdienst. Im vergangenen Jahr wurden sechs bis sieben Weihnachtsgottesdienste mit Anmeldung und in Blöcken zu 50 Personen gefeiert. „Das lief sehr gut, und man hat gemerkt, dass die Menschen einfach froh waren, dass trotzdem etwas stattfand.“ Daher versucht die Gemeinde auch in diesem Jahr, die Advents- und Weihnachtszeit so „normal“ wie möglich zu gestalten.

Nur auf den Dörfern, wo sonst Weihnachtsgottesdienste in den Dorfgemeinschaftshäusern stattfinden, sind diese schon abgesagt worden. Die Räume sind klein und in kommunaler Verantwortung. „Solange wir kurz vorher Bescheid wissen, bekommen wir das alles hin“, sagt Grimbo. „Und sonst müssen wir absagen. Wäre schade drum, aber es wird schon laufen.“ Der 39-Jährige sagt, er habe das Gefühl, in den vergangenen Corona-Monaten mutiger geworden zu sein. „Wir sind da und muten lieber den Menschen die Entscheidung zu, ob sie kommen wollen“, so Grimbo.

Und worauf freut sich der Pastor selbst im Advent besonders? „Ich freue mich immer besonders darauf, dass die Woche vor Weihnachten anbricht.“ Dann sei alles vorbereitet, die Liederzettel kopiert, die Dienstpläne geschrieben. „Dann setzt so langsam das Gefühl ein: wenn jetzt noch etwas schiefgeht, dann steht es nicht mehr in meiner Macht. Ich muss dann nur noch meine Predigten schreiben.“

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