In Berlin und Brandenburg gibt es wieder mehr überschuldete Verbraucherinnen und Verbraucher. Nach mehreren Jahren rückläufiger Entwicklung sei deren Zahl erstmals wieder gestiegen, teilte die Creditreform-Gesellschaft Berlin-Brandenburg unter Berufung auf ihren neuen Schuldneratlas 2025 am Dienstag mit. Ausschlaggebend für die Trendwende seien vor allem die gestiegene Arbeitslosigkeit sowie die weiterhin hohen Lebenshaltungskosten. Der bislang dämpfende Effekt einer zurückhaltenden Konsumneigung verliere dagegen an Einfluss.
Zum Stichtag am 1. Oktober 2025 waren den Angaben zufolge in Berlin 305.309 Menschen überschuldet, 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies sei der erste verzeichnete Anstieg seit 2017, hieß es. In Brandenburg hätten 160.167 Menschen Überschuldungsmerkmale aufgewiesen. Das sei ein leichter Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuvor seien die Zahlen dort acht Jahre lang rückläufig gewesen. Bundesweit liege der Zuwachs bei zwei Prozent.
Insgesamt seien in Deutschland am Stichtag im vergangenen Jahr rund 5,67 Millionen Privatpersonen überschuldet gewesen, rund 110.000 mehr als 2024, hieß es. Berlin liege mit einer Schuldnerquote von 10,01 Prozent der Bevölkerung über dem Bundesdurchschnitt von 8,16 Prozent, Brandenburg mit 7,48 Prozent darunter. Spitzenreiter war erneut Bremen mit einer Quote von 12,11 Prozent. Schlusslicht ist Bayern mit 6,05 Prozent. Als überschuldet gelten Menschen, deren laufende Einnahmen nicht mehr ausreichen, um ihren finanziellen Verpflichtungen dauerhaft nachzukommen.
Die Überschuldung liege in Berlin und Brandenburg zugleich weiter klar unter dem Niveau früherer Jahre, hieß es. 2020 seien in Berlin rund 60.000 mehr Menschen und in Brandenburg knapp 45.000 mehr Menschen überschuldet gewesen. Spitzenreiter im Bundesland war den Angaben zufolge mit einer Schuldnerquote von 12,34 Prozent weiter Brandenburg an der Havel. Vergleichsweise gering sei die Quote mit 5,38 Prozent im Landkreis Potsdam-Mittelmark ausgefallen, hieß es. In Berlin lag der Bezirk Spandau mit 12,81 Prozent an der Spitze. Die niedrigste Schuldnerquote wies mit 6,42 Prozent der Bezirk Steglitz-Zehlendorf auf.
Am stärksten betroffen blieben sowohl in Berlin als auch in Brandenburg die 40- bis 49-Jährigen. Deren Schuldnerquote lag in Berlin bei 13,95 und in Brandenburg bei zwölf Prozent. Männer seien mit einer Quote von 12,44 Prozent in Berlin und 8,69 Prozent in Brandenburg weiter deutlich häufiger überschuldet gewesen als Frauen, hieß es. Deren Schuldnerquote lag in Berlin bei 6,81 und in Brandenburg bei 5,55 Prozent. Gründe seien unter anderem eine höhere Risikobereitschaft bei Finanzentscheidungen und ein größerer Anteil an Selbstständigen.
Die aktuellen Entwicklungen deuteten darauf hin, dass sich die Überschuldungslage weiter verschärfen könnte, hieß es weiter. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten, zunehmender Kreditbelastungen und einer schwachen wirtschaftlichen Dynamik gewännen klassische Überschuldungstreiber wie geringe Einkommen, unwirtschaftliche Haushaltsführung und Arbeitslosigkeit wieder an Bedeutung. Ein weiterer Anstieg sei daher wahrscheinlich.