Mehr als nur Sightseeing

Der Mitflug in einer Transall bringt neue Einblicke in die Arbeitswelt der Soldaten. Militarpfarrer Ekkehart Woykos berichtet.

Militärpfarrer Ekkehart Woykos in der Transall.

von Ekkehart Woykos

Kropp. Viele Menschen sind in ihrem Leben schon geflogen. Für die einen ging es in den Urlaub, andere waren geschäftlich oder dienstlich unterwegs. Manche starten aber auch zu Rundflügen, um die Schönheit der Landschaft von oben zu betrachten. Dabei ist und bleibt das Fliegen für viele ein Abenteuer. Das gilt für mich auch. Deswegen ist durchaus die Frage berechtigt, ob der Mitflug in einer Transall nur ein Goody für den Standortpfarrer ist, etwas Sightseeing oder eben „Norddeutschland von oben“ betrachtet?

Was zunächst recht eindeutig scheint, ist es beileibe nicht. Denn bei dem Mitflug ging es vor allem darum, die Arbeit der Piloten und Techniker rund um einen Flug kennenzulernen. Wie wird ein Flug vorbereitet? Was passiert während des Fluges in einem Cockpit? Und so weiter. Mich hat allein schon beeindruckt, mit wie viel Akribie der Flug vorbereitet wurde.

Grandiose Aussicht

Nun handelte es sich um einen Flug über Norddeutschland, mit guter Infrastruktur, ohne Bedrohung von außen. Das lässt mich erahnen, was es für das Personal bedeutet, Flüge in Krisen- und Kriegsgebieten zu planen und durchzuführen. Schließlich geht es immer darum, sicher und heil von A nach B zu kommen. Menschen und Material sind zu transportieren, Kranke und Verletzte zu verlegen oder Hilfsgüter in unwegsamem Gebiet abzusetzen.

Natürlich hat mich der Flug begeistert. Da war die grandiose Aussicht. Ich konnte hinausschauen und entdeckte die eine oder andere Ortschaft und Landschaft, die ich vom Boden oder dem Wasser aus kannte. Aber irgendwann registrierte ich in der Kommunikation: „Jetzt drei null fünf und in 11 Meilen zwo sieben vier!“ Es handelte sich um Richtungsänderungen, um die geplante Route weiterzufliegen. Ich merkte, hier wird gearbeitet und eben kein Rundflug absolviert.

Im Einklang mit dem Evangelium

Muss also ein Militärpfarrer so etwas mitmachen? Ich denke schon. Ich habe diese Art von Einblicken in die Arbeits- und Lebenswelt der Soldatinnen und Soldaten als gewinnbringend für die Begegnungen und Gespräche mit den Soldaten erfahren. So kann mir eine Soldat ohne große Erklärung sein Anliegen schildern. Denn ich habe einen Einblick bekommen in die Arbeits- und Lebenswelt der Piloten und Techniker. Ich weiß, wovon sie erzählen und kann es einordnen. Außerdem ist es mir möglich, diese Lebens- und Arbeitswelt in Beziehung mit dem Evangelium zu bringen.

Hilfreich war also mein erster Flug mit einer Transall. Aber er war auch angenehm und schön. Spaß und Freude gehört zum Berufsleben dazu. Und das wird auch in den Alltagsbegegnungen spürbar. „Denn nur, wer sich selbst mal etwas gönnt, kann auch anderen Gutes tun“ (frei nach Jesus Sirach 14,5 ff).

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