Die "Tragödie von Mariana" 2015 gilt als eine der größten Umweltkatastrophen der brasilianischen Geschichte. Im Oktober 2026 will nun ein englisches Gericht die Höhe der Entschädigungszahlungen festlegen.
Der britisch-australische Rohstoffkonzern BHP kann für die Schlammkatastrophe nach einem Dammbruch im brasilianischen Mariana haftbar gemacht werden. Das hat ein Londoner Gericht am Freitag entschieden. In der Urteilsbegründung hieß es, dass BHP die Staumauer damals nicht weiter hätte erhöhen dürfen. Dies habe zu der Katastrophe geführt.
Durch den Dammbruch eines Abraumbeckens des brasilianischen BHP-Tochterunternehmens Samarco waren am 5. November 2015 mehr als 40 Millionen Kubikmeter Schlamm freigesetzt worden, die mehrere Dörfer überschwemmten. 19 Personen starben. Der Schlamm gelangte über drei Flüsse bis in den Atlantik, die Spur der Verwüstung war 650 Kilometer lang. Das Unglück gilt bis heute als eine der größten Umweltkatastrophen der brasilianischen Geschichte.
In Brasilien wurden in den Folge zwar mehrere Personen angeklagt, aber bisher niemand verurteilt. 2018 wandten sich Betroffene an die englische Justiz. Sie verlangen von BHP Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet rund 40 Milliarden Euro. Insgesamt sollen demnach rund 620.000 Betroffene Aussicht auf eine Entschädigung haben. Der Fall gilt als größte Sammelklage in der Geschichte des Vereinigten Königreichs.
Die Anwälte der Opfer feierten das nun ergangene Urteil. "Das Urteil zugunsten der Opfer markiert das erste Mal, dass eines der für den Dammbruch verantwortlichen Unternehmen zur Rechenschaft gezogen wurde", heißt es in einer Stellungnahme.
BHP will Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Der High Court habe nicht berücksichtigt, dass der brasilianische Ableger der BHP zusammen mit dem brasilianischen Konzern Vale bereits 2024 einer Einigung über Entschädigungen in Höhe von 32 Milliarden US-Dollar zugestimmt habe. Damit seien die Ansprüche abgegolten. BHP Brasilien und Vale gehört das Unternehmen Samarco zu gleichen Teilen.
Der Prozess geht nun in eine zweite Phase, in der das Ausmaß der Schäden ermittelt wird. Dies soll mit einer Anhörung Mitte Dezember beginnen. Die Hauptverhandlung ist für Oktober 2026 vorgesehen.