Arbeitsscheu und ich-bezogen: Dieses Klischee über die Generation Z hält sich hartnäckig. Eine neue Studie zeigt durchaus eine selbstkritische Sicht junger Erwachsener - und Wünsche für die Arbeitswelt.
Barbara Wittmann, Deutschlandchefin des Sozialen Netzwerks LinkedIn, wirbt für mehr Austausch zwischen den Generationen am Arbeitsplatz. "Verschiedende Generationen bieten ein breites Spektrum an wertvollen Fähigkeiten", sagte sie der Zeitung "Die Welt" (Dienstag). So lasse sich voneinander lernen und gegenseitiges Verständnis entwickeln.
Die Befürchtung, sich vor anderen Generationen zu blamieren, gebe es indes nicht nur in der Generation Z, also unter denjenigen, die etwa zwischen 1996 und 2009 geboren wurden. Während die Jüngeren nicht allzu viel Arbeitserfahrung hätten, fühlten sich viele Ältere in punkto Digitalisierung nicht sattelfest, erklärte Wittmann. Dabei sei heute "unendlich viel Information vorhanden", sodass niemand alles wissen könne. Wichtig sei ein Arbeitsumfeld, in dem offene Fragen möglich seien.
Zudem habe die Corona-Zeit Spuren bei vielen jungen Erwachsenen hinterlassen, die im "absoluten Ausnahmeszustand" ins Berufsleben gestartet seien, sagte die Expertin. Sie bezog sich auf eine Studie, die das Marktforschungsinstitut Censuswide für LinkedIn, wo Menschen sich vor allem beruflich vernetzen, durchgeführt hat. Rund die Hälfte der Befragten wünscht sich demnach mehr Unterstützung im Arbeitsumfeld, insbesondere bei der Entwicklung von Soft Skills. Fast ein Drittel der Jüngeren habe erklärt, sich durch unverständliche Kommunikation isoliert zu fühlen.
Aus ihrer Sicht sei es "überhaupt nicht verkehrt", wenn hier und da der Status quo hinterfragt werde, betonte Wittmann. Die junge Generation sei schon früh im Leben mit Herausforderungen konfrontiert worden, "darunter die Klimakrise, höhere Lebenshaltungskosten, ein schwieriger Arbeitsmarkt sowie politische Unruhen und damit einhergehende Existenzfragen. Außerdem weiß diese Generation, dass sie bis zur Rente sehr lange arbeiten werden muss." Insofern sei es nachvollziehbar, sich einen erfüllenden Beruf zu wünschen.
Konflikte zwischen Generationen seien nicht neu, fügte die Expertin hinzu. Die Arbeitswelt biete indes auch große Chancen: "Wenn wir in den Dialog gehen und uns austauschen, dann werden wir alle davon profitieren. Es geht darum, Fragen zu stellen, zuzuhören und auch mal Kompromisse einzugehen."