Papst Johannes Paul II. sprach 1987 den Jesuitenpater Rupert Mayer (1876-1945) selig. Dessen Grab im Münchner Bürgersaal wird immer rege besucht. Von dem scharfen Kritiker der Nazis lässt sich auch heute vieles lernen.
Der vor 150 Jahren geborene Jesuitenpater Rupert Mayer (1876-1945) wird nicht nur in Deutschland verehrt. Geschätzt wird er vor allem auch in Ländern, die politischem Druck ausgesetzt sind. Dort sei der Ordensmann den Menschen ein leuchtendes Beispiel für seinen Mut, mit dem er sich einst den Nationalsozialisten entgegengestellt habe, sagte der Präses der Marianischen Männerkongregation in München, Pater Karl Kern, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es gebe immer wieder Anfragen für Reliquien als Zeichen der Verehrung – von den Philippinen über Brasilien, aus den USA und Afrika.
Papst Johannes Paul II. sprach den Ordensmann 1987 in München selig. In der dortigen Bürgersaalkirche befindet sich sein Grab. Der auch als “Sozialapostel” bezeichnete Mayer erkannte früh die von den Nationalsozialisten ausgehende Gefahr. Der Jesuit wurde mehrfach wegen des Verstoßes des ihm auferlegten Predigtverbots verhaftet.
Nachdem sich sein Gesundheitszustand nach der Haft im KZ Sachsenhausen deutlich verschlechtert hatte, wurde er 1940 ins Kloster Ettal gebracht. Dort lebte er bis Kriegsende. Im Mai 1945 kehrte er nach München zurück. Am Allerheiligen-Tag desselben Jahres erlitt Mayer in der Michaelskirche einen Schlaganfall und starb im Krankenhaus.
Für Mayer galt der Grundsatz, ein Katholik könne niemals Nationalsozialist sein. Die Auseinandersetzungen heute seien anders, aber in gewisser Weise vergleichbar, erklärte Kern. “Wir leben in einer Zeit, wo Großmächte wieder meinen, sie könnten das Weltgeschehen diktieren. Gleichzeitig wird die Demokratie brüchig.” Damals hätten Kommunisten und Nationalsozialisten das Parlament als Quasselbude angesehen, die sie hinwegfegen wollten. “Heute leben wir in den Fängen neuer, subtiler Totalitarismen. Alles wird nach dem Nutzenkalkül berechnet”, kritisierte der Jesuit.
Mayer sei es wichtig gewesen, dass es einen Fixpunkt außerhalb aller Ideologien gebe, erläuterte Kern. “Dieser ist die Beziehung zu Gott. Nur die macht frei. Wenn dagegen Ideologien das alleinige Ruder übernehmen, wird es unmenschlich.” Das soziale Engagement des Paters bleibe der Marianischen Männerkongregation, deren Präses Mayer war, wichtig. Von Montag bis Freitag gebe ein Team in München bis zu 70 Essen an Bedürftige aus.
Auch der Münchner Kabarettist Christian Springer schätzt den seligen Jesuiten sehr, wie er der KNA erzählte: “Er ist quasi unser Familienheiliger.” Ein Gebetsbildchen von Mayer habe er stets im Reisepass. Mayer habe gezeigt, dass es immer einen “anderen” Weg gebe als die ausgetretenen Pfade, sagte Springer: “Und dass der Mut, es anders zu machen, auch in der Diktatur, nicht immer in der Vernichtung endet. Und man sieht, dass die Unterstützung von Bedürftigen immer geht, auch wenn’s schwierig ist. Daraus kann man lernen.”