Kirchen und Politik seien starke Institutionen, sagt Landtagspräsidentin Aras. Bei beiden gehe es darum, etwas zu glauben. In der Demokratie glaubten die Bürger: Wenn alle nach dem Grundgesetz leben, folgt daraus eine gerechte Gesellschaft.
Die Kirchen spielen nach Einschätzung der Präsidentin des baden-württembergischen Landtags, Muhterem Aras, eine “ganz entscheidende Rolle in der Demokratie”. Die Nächstenliebe sei das Fundament, auf dem die Grundrechte stünden, sagte Aras im Interview der Kirchenzeitungen “Katholisches Sonntagsblatt” und “Konradsblatt” (Ausgabe vom 1. Februar). Ausdruck der Nächstenliebe seien etwa die Menschenwürde oder der Solidaritätsgedanke, der sich im Sozialstaat realisiere.
Kirchen und Politik seien “starke Institutionen”, betonte Aras. “Bei beiden geht es auf ganz unterschiedlichen Ebenen darum, etwas zu glauben.” In der Demokratie sei dies die Überzeugung: “Wir glauben, wenn wir alle nach den ersten 20 Grundgesetzartikeln handeln und leben, lenken wir die Gesellschaft in eine gerechte Richtung.”
Mit Blick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März rief Aras dazu auf, nur die Parteien zu wählen, “die auf dem Boden der Verfassung stehen”.
Offenbar mit Blick auf die AfD sagte die Landtagspräsidentin: “Wenn Parteiorganisationen vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft sind oder in Teilen als gesichert rechtsextrem, dann kann keiner sagen, er oder sie habe das nicht gewusst.”
Aras (Grüne) ist seit fast zehn Jahren Präsidentin des Landtags. Sie habe erlebt, dass die Debatten rauer geworden seien. Vor dem Einzug der AfD ins Parlament habe es keine Diffamierungen anderer Abgeordneter gegeben und keine “Versuche, Verfassungsorgane ins Lächerliche zu ziehen und den Parlamentsbetrieb zu sabotieren”.
Diese Veränderung sei nicht nur gefühlt, sie sei auch belegt durch die Zahl der Ordnungsrufe und Sitzungsausschlüsse, die sie und ihre Stellvertreter erteilen mussten. “Wir hatten zum Beispiel in der Legislatur 2011 bis 2016 keinen einzigen Ordnungsruf, zwischen 2016 und 2021 waren es knapp 60.”
Die heute 60-Jährige kam 1978 aus der Türkei nach Baden-Württemberg. Der “schönste Moment” in ihrem Leben sei für sie gewesen, “zu erfahren, was es heißt, in Freiheit zu leben”. Aras sagte: “Deshalb liebe ich dieses Deutschland so sehr. Ich würde wirklich alles für die Freiheit geben, weil ich nie wieder in einem Land leben will, in dem ich meine Herkunft, meine Sprache oder meine Religion leugnen muss.”
Das “Katholische Sonntagsblatt” und das “Konradsblatt” sind die beiden katholischen Wochenzeitungen in Baden-Württemberg – für die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Erzdiözese Freiburg.