Die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann hat am Montag in Hofgeismar das Gemeinschaftspotenzial der Kirche als „echten Schatz“ bezeichnet. Am ersten Tag der Herbstsynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sagte sie, dass die Kirche in einer zerrissenen Gesellschaft einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten könne. Zugleich warnte sie vor Ausgrenzung und sexuellem Missbrauch innerhalb kirchlicher Gruppen und unterstrich die Notwendigkeit klarer Regeln.
Die Landesbischöfin machte deutlich, dass Gemeinschaft weder Harmonie noch Uniformität bedeute: „Echte Gemeinschaft basiert auf Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit“, sagte sie. Die Tischgemeinschaft beim Abendmahl sei trotz sinkendem Gottesdienstbesuch ein zentrales Element des Glaubens und Sinnbild für „versöhnte Verschiedenheit“. Die Feier sei ein „Gegenmittel gegen polarisierende Ideologie, Egoismus und Empathielosigkeit“. Zugleich ermögliche sie die „sinnliche Erfahrung von Gemeinschaft untereinander und mit Gott“.
Die Bischöfin plädierte dafür, das Sakrament offen zu feiern und den Umgang mit Ungetauften zu überdenken: „Tischgemeinschaften in unserer pluralen Welt werden bunter, und das ist gut so.“ Hofmann bezeichnete die Kirche auch als sorgende Gemeinschaft, die soziale Herausforderungen mildern könne, etwa in der Flüchtlingsarbeit oder bei der Pflege alter Menschen in ländlichen Regionen. Für die Zukunft der Pflege sei die Vernetzung von Familie, Nachbarschaft, Ehrenamt, professioneller und technischer Hilfe „alternativlos“. Die Kirche habe hier großes Potenzial, „Sorgenetze“ zu knüpfen, wie ein Modellprojekt der Diakonie in Bad Karlshafen zeige.
Hofmann hob die Aufgabe der Kirche als Lerngemeinschaft hervor: Angesichts einer zunehmend säkularen, pluralen Gesellschaft sowie schwindender Ressourcen müsse die Kirche Erfahrungen teilen, voneinander lernen und neue Wege erkunden: „Weg von der Konkurrenz hin zur Kooperation, in der die Vielfalt der Gaben ein Schatz der Gemeinschaft ist“.
#Präses Schneider ruft EKKW-Synode zu Zuversicht auf
Der Präses der EKKW-Synode, Michael Schneider, rief die Delegierten zum Auftakt der Herbstsynode zu Zuversicht auf. Zu den Aufgaben der Synode gehörten, Gebäude für gemeinschaftliches Feiern zu erhalten, nachhaltig zu wirtschaften, Entscheidungen voranzutreiben und Strukturen so zu gestalten, dass kirchliches Leben ermöglicht werde. Nötig seien neue Organisationsformen sowie eine ehrliche Analyse der Finanzlage. Verwaltung und Ordnung seien wichtig, „aber nicht Inhalt und schon gar nicht Zielpunkt kirchlichen Lebens“.
Die Kirche trage zur sozialen Gerechtigkeit und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei, sagte der hessische Kulturminister Timon Gremmels (SPD) in einem Grußwort. Gerade in Zeiten der Verunsicherung sei es wichtig, Vertrauen zu schaffen und den Glauben als Bindungsfunktion zu nutzen.