Die iranische Kurdin Jina Mahsa Amini hat posthum den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments erhalten. Stellvertretend nahm der Anwalt der Familie, Saleh Nikbacht, die Auszeichnung am Dienstag in Straßburg entgegen. Angehörige Aminis konnten nicht teilnehmen, weil die Behörden in Teheran ihnen die Ausreise verweigert hatten. Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sagte, der Mut und die Zähigkeit iranischer Frauen in ihrem Kampf für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenrechte seien nicht aufzuhalten.
Die Mutter Aminis, Mozhgan Eftekhari, verglich ihre Tochter in einer Grußbotschaft mit Jeanne d'Arc (1412-1431), die als politische Aktivistin nach einem Inquisitionsverfahren hingerichtet und später von der katholischen Kirche heiliggesprochen wurde. Beide hätten mit ihrem Tod Grenzen überwunden und das Streben nach Emanzipation und Freiheit belebt.
Amini war von der Sittenpolizei in Teheran festgenommen worden, weil sie ihr Haar in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. Ihr Tod am 16. September 2022 in Polizeihaft löste landesweite Proteste aus, die von Polizei und Milizen brutal niedergeschlagen wurden. Die Nominierung Aminis für die Auszeichnung des EU-Parlaments war von den Gruppen der Christdemokraten, der Sozialdemokraten und der Liberalen unterstützt worden.
Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit wird seit 1988 vom EU-Parlament an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich besonders für Menschenrechte und Minderheitenschutz, Achtung des Völkerrechts und geistige Freiheit einsetzen. Benannt ist die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung nach dem sowjetischen Physiker und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow (1921-1989).