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Kulturrat fürchtet Verwerfungen durch Künstliche Intelligenz

Übersetzer, Komponisten, Spieleprogrammierer – im künstlerischen Bereich sind dem Deutschen Kulturrat zufolge viele Berufe durch den technischen Fortschritt bedroht. Was das Gremium nun fordert.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, sieht künstlerische Berufe durch Künstliche Intelligenz (KI) bedroht. “Besonders durch die Künstliche Intelligenz verändern sich unsere Berufe fundamental, so wie das in den zurückliegenden 100 Jahren nicht vorgekommen ist”, sagte Zimmermann der “Augsburger Allgemeinen” (Wochenende). “Wir sehen das zum Beispiel bei Übersetzern, Komponisten, wenn es um Alltagsmusik geht. Die großen Spiellandschaften in Computerspielen programmiert kein Mensch mehr, das macht eine KI.”

Zimmermann fügte an: “Ich glaube nicht, dass man das aufhalten kann. Wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob Kulturschaffende umgeschult werden müssen in andere Bereiche. Wir haben keine Sozialpläne für diese Verwerfungen.” Es müsse eine Digitalabgabe für Alphabet, Amazon, Meta und Co geben, verlangte der Geschäftsführer. “Sinn macht es aber nur, wenn die Mittel dann in den Kulturbereich fließen und nicht in das große schwarze Loch des Bundeshaushalts.”

Darüber hinaus kritisierte Zimmermann Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). In Bezug auf das drohende Aus des Kulturpasses sagte er: “Das ist ein zweifacher Fehler. Der erste Fehler ist, diesen Kulturpass zur Disposition zu stellen. Es ist wichtig, dass wir junge Menschen an den Kulturbereich heranführen.”

Das zweite und größere Problem sei die Argumentation Weimers: “Er übernimmt die Argumente des Bundesrechnungshofs, der sagt, dass dieses Angebot nicht Bundes-, sondern Landesaufgabe wäre.” Aber es gebe die Erlaubnis des Bundes, Modellprojekte zu starten. “Der Kulturpass war ein Modellprojekt, weil man damit nur einen Jahrgang, nämlich die 18-Jährigen, angesprochen hat.” Zimmermann nannte den Kulturpass “auch eine Form der Wirtschaftsförderung, weil dadurch Buchhandlungen, Verlage, Kinos unterstützt wurden. Wirtschaftsförderung gehört zu den originären Aufgaben des Bundes.”

Seit 2023 gibt es den vom Bund finanzierten Kulturpass mit zunächst 200 Euro, später mit 100 Euro. Damit können Jugendliche, die im entsprechenden Jahr ihren 18. Geburtstag feiern, Konzerte, Museen und Theater besuchen oder sich Bücher, Platten und CDs sowie Musikinstrumente kaufen. Zuletzt war eine Einschätzung des Bundesrechnungshofes bekannt geworden, die keine Finanzierungskompetenz des Bundes sieht. Kulturstaatsminister Weimer hatte daraufhin erklärt, er nehme dies sehr ernst.

Der 1982 gegründete Deutsche Kulturrat versteht sich als Spitzenverband der Bundeskulturverbände.