Künstlerin will mehr Licht für den Gottesdienst

Schon mit mit dem Schein eines Diaprojektors lassen sich beachtliche Effekte erzielen, sagt die Künstlerin Nikola Dicke. Die Besucher würden ihre Kirche buchstäblich in einem anderen Licht sehen.

Die illuminierte Wartburg während einer Kunst-Aktion
Die illuminierte Wartburg während einer Kunst-AktionSascha Willms / epd

Hannover/Osnabrück. Pastoren und Kirchenvorsteher sollten nach Ansicht der Osnabrücker Lichtkünstlerin Nikola Dicke mutiger auf Licht als Medium zur Gestaltung von Gottesdiensten zurückgreifen. "Durch Licht ist es möglich, den Menschen ein ganz anderes Erlebnis ihrer Kirche zu ermöglichen", sagte Dicke dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der klassische Gottesdienst bestehe vor allem aus Sitzen und Hören, sagte die Künstlerin, die sich auf Projektionskunst und Lichtmalerei spezialisiert hat. "Licht lenkt dagegen die Blicke. Es kann Teile des Kirchenraums besonders betonen, andere kaschieren und dadurch ganz neue Fokuspunkte schaffen."
Indem Kirchenbesucher beispielweise den Schein von Lichtquellen durchschritten, würden sie und ihr Schattenwurf Teil der Kunst. "Im Gottesdienst lässt sich das nutzen, um gemeinsam den Kirchenraum zu erkunden." Selbst mit einfachsten Mitteln wie Dia- oder Overheadprojektoren und einzelnen Scheinwerfern seien die Wirkungen teils beachtlich, sagte Dicke. Für Versuche in der eigenen Kirche gebe es dafür kein "zu viel" oder "zu wenig", betonte die Künstlerin: "Einfach Stecker rein und los geht’s."

Gedichte auf dem Kirchturm

Sie selbst habe einmal lediglich mit weißem Licht auf die Fassade eines Kirchturms Gedichtzeilen projiziert. Die Betrachter hätten nicht nur das Gedicht wahrgenommen, auch ihr Kirchturm sei ihnen plötzlich sprichwörtlich in ganz anderem Licht erschienen. "Sie fragten mich, wie ich die Schrift so schön bunt bekommen hätte, dabei waren es allein die bislang von ihnen unbeachteten Mauersteine des Kirchturms, die für die Farbe sorgten."
Die Künstlerin ist überzeugt, dass Kirchen mit ihren vielen verschiedenen Architekturstilen und vielfältig gestalteten Innenräumen schier unendliche Ansatzmöglichkeiten für Lichtkunst bieten. Sie selbst versuche bei ihren Installationen stets eine Geschichte zu dem Gebäude zu erzählen, sagte Dicke. "Ich lausche den Steinen und was ich gehört habe, mache ich dann sichtbar."
Am Mittwoch, 24. Oktober, veranstaltet das Haus kirchlicher Dienste in Hannover einen Fachtag unter dem Titel "Licht im Kirchenraum". In der Matthäuskirche sind Küster, Pastoren, Kirchenvorsteher und Ehrenamtliche eingeladen, sich unter anderem von Nikola Dicke zu einem kreativen Umgang mit Licht im Kirchenraum theoretisch und praktisch inspirieren zu lassen. (epd)