Stefan Weiller, Musiker, Autor und Hörbuchregisseur, wirbt für einen realistischen Umgang mit dem Lebensende. "Heute soll sich alles gut anfühlen. Selbst um den Tod eine Wellnesskultur zu etablieren, erscheint mir verlogen", sagte er in einem veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Für sein Bühnenprogramm "Letzte Lieder" spricht Weiller regelmäßig mit schwerkranken Menschen in Hospizen oder auf Palliativstationen.
Die "vitale Hospizarbeit" hierzulande sei wunderbar, so der Künstler. "Auch entstehen neue Initiativen, etwa für Tageshospize, die eine große Entlastung für pflegende Angehörige bieten können. Aber viele Strukturen entsprechen noch nicht dem, was die Menschen sich wünschen." So gehe es in der öffentlichen Debatte oft etwa darum, dass der Wünschewagen ins Hospiz komme. "Das sind die Ideen der Gesunden", so Weiller. "Diejenigen, die wirklich in der Situation sind, wollen - so meine Einschätzung - eher nicht mehr ans Meer, sondern sind oft froh, wenn sie noch allein zur Toilette können."
Sicherheit, Nähe und Vertrauen in der letzten Lebensphase
In der letzten Lebensphase seien Sicherheit, Nähe und Vertrauen für viele Menschen wichtiger als "letzte Abenteuer, Konsum und Events". Auch Angehörige sollten sich klarmachen, dass es in dieser Situation weniger auf Materielles ankomme, fügte Weiller hinzu. "Vielleicht hat man nie gelernt, die eigenen Eltern zu umarmen. Doch das Dasein,
die Hand halten, miteinander schweigen, vielleicht gemeinsam singen - das sind die Geschenke, um die es dann geht."
Mit Musik, die Menschen als tröstlich erlebten, verbänden sie häufig "eine Art Versprechen auf ein gelingendes Leben". Sie sage etwas darüber aus, wer man sei oder woran man sich erinnern wolle. So könnten Lieder dabei helfen, mit Erinnerungen und Erfahrungen des eigenen Lebens ein Einvernehmen zu finden. "Und sie kann ganz konkret guttun: Manche Menschen, die ich treffe, können nicht mehr laufen, haben die Beherrschung über ihren Körper verloren. Aber wenn sie ein bestimmtes Lied hören, wippen sie mit dem Fuß mit. Das ist sehr berührend."