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Kuba-Krise: Der Papst mahnt, Kirche will vermitteln

Donald Trump berichtet von direkten Gesprächen mit Havannas Regime. Das wiederum zieht die Zügel gegen unabhängige Medienvertreter an und erhebt schwere Vorwürfe gegen Washington.

Nun ist der schwelende Konflikt zwischen den USA und Kuba auch im Vatikan angekommen. Papst Leo XIV. rief die beiden ideologischen Todfeinde zu einem Dialog auf. “Ich habe äußerst beunruhigende Nachrichten über die zunehmenden Spannungen zwischen Kuba und den USA, zwei Nachbarländern, erhalten”, heißt es in einem Beitrag des Papstes auf der Plattform X vom Sonntag. Der selbst aus den USA stammende Leo XIV. weiter: Es gelte, “Gewalt und alle Handlungen zu vermeiden, die das Leid des kubanischen Volkes noch verstärken könnten”.

Der Papst unterstützt damit auch Kubas Bischöfe, die am Wochenende ihre Sorge wegen ausbleibender Öllieferungen nach Kuba ausdrückten. Dies verschlechtere die Lebensbedingungen auf der Insel nur noch weiter. Die Bischöfe verwiesen in ihrer Botschaft auf eine Drohung Trumps, Zölle gegen Länder zu verhängen, die Öl an Kuba verkaufen. Die USA betrachten die Insel als “außergewöhnliche Bedrohung” für die nationale Sicherheit.

Tatsächlich scheint Kuba derzeit von Öllieferungen abgeschnitten. Die starke US-Militärpräsenz in der Karibik ist für Tanker kaum zu durchbrechen, die Sanktionen umgehen wollen. Öllieferungen aus Venezuela sind unterbunden, und auch Mexiko stellte sie vorerst ein – offenbar um die derzeitigen Verhandlungen über das nordamerikanische Handelskommen TMEC nicht zu gefährden. Kubas Machthaber warf den USA vor, die kubanische Wirtschaft ersticken zu wollen. Regierungsnahe Aktivisten sollen Berichten zufolge den US-Sondergesandten Mike Hammer beschimpft und bedroht haben; auch seien unabhängige Medienvertreter eingeschüchtert worden.

Die kubanischen Bischöfe befürchten ein “soziales Chaos” auf Kuba. Sie mahnen einerseits Reformen, andererseits auch einen Dialog an: “Kuba braucht Veränderungen, und zwar immer dringlicher”, schreiben sie – und bekunden zugleich Bereitschaft, zwischen den Parteien zu vermitteln.

Kubas Opposition hofft schon lange auf eine Demokratisierung. Der bekannteste Dissident José Daniel Ferrer, nach langer Haftstrafe seit Oktober in den USA im Exil, unterstützt eine mögliche Vermittlerrolle der Kirche. Sie habe immer eine positive Rolle gespielt “und gelegentlich in Prozessen wie der Freilassung politischer Gefangener vermittelt”, sagte Ferrer jüngst der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auch zu seiner eigenen Freilassung soll sie beigetragen haben. Auch jetzt wäre die katholische Kirche ein positiver Akteur, glaubt Ferrer – auch weil sie “zweifellos außerhalb der Institutionen des Regimes am besten organisiert ist”.

Schon einmal spielte die Kirche eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Havanna und Washington. Vom damaligen Papst Franziskus angestoßen, entwickelte sich zwischenzeitlich ein regelrechtes diplomatisches Tauwetter. Der damalige US-Präsident Barack Obama (2009-2017) reiste sogar nach Havanna und hielt dort eine viel beachtete Rede. Washington lockerte das Embargo und verschärfte die Migrationspolitik gegenüber Kuba, um eine weitere Abwanderung von Arbeitskräften zu verhindern. Doch auch weil Kuba keinerlei demokratische Öffnung erkennen ließ, verschärfte Obama-Nachfolger Trump die Sanktionen wieder.

Nun will Trump offenbar erreichen, was Obama verwehrt blieb: eine Öffnung des restriktiven Ein-Parteien-Systems, das ausschließlich die regierende sozialistische Partei zulässt. Das ist auch der Lebenstraum von US-Außenminister Marco Rubio, selbst Sohn kubanischer Einwanderer, und einflussreicher Strippenzieher der Kuba-Politik Washingtons.