Nach Ansicht des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine gesunde Streitkultur die Gesellschaft zusammen. „Streit gehört zur Demokratie. Nur muss er zivilisiert ablaufen“, sagte Kretschmann am Dienstagabend beim Empfang der württembergischen und der badischen Landeskirche im Neuen Schloss in Stuttgart. Den Kirchen bescheinigte er eine zentrale Rolle für den Zusammenhalt der Gesellschaft, „weil sie uns den Sinn für Humanität, Kultur und Transzendenz bewahren“. Das Christentum schütze vor Selbstherrlichkeit und Selbstzufriedenheit, so Kretschmann. Zudem biete es Sicherheit. „Mein Glaube befreit mich von Angst“, bekannte der Katholik.
Die Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, Heike Springhart, äußerte die Sorge, dass die Kirchen zu häufig „nur moralische Appelle“ äußerten. Sie ermutigte dazu, die innerkirchliche „Blase“ zu verlassen und an die Stammtische zu gehen, „die wirklichen“. Manchmal brauche es andere Räume, damit die an einen Tisch kommen, die sonst nicht an einem Tisch sitzen. „Dafür öffnen wir gern Räume der Verständigung. Weil uns an einem Diskurs liegt, der Klarheit und Respekt nicht gegeneinander ausspielt, sondern miteinander verbindet“, sagte sie. In krisenhaften Zeiten brauche es einen „Überschuss an Hoffnung“: „Dafür stehen wir als Kirchen.“
Nach Worten von Landtagspräsidentin Muhterem Aras erwarten die Menschen gerade in schwierigen Zeiten Orientierung von der Politik und den Kirchen. „Wer sich auf seinen Glauben besinnt, findet in Krisen leichter Halt“, sagte sie. Sie sei den Kirchen „unfassbar dankbar“ für deren klare Haltung für ein menschliches Miteinander im Land. (2957/18.11.2025)